Gleich zu Beginn des Blogartikels muss ich den Titel relativieren. Ich kündige an, dass ich auf Linux umsteigen will, bin aber seit 2012 Nutzer des Betriebssystems GNU/Linux und schon lange digital souverän. Aber eins nach dem anderen. Mein Umstieg auf Linux war damals als Privatperson, heute bin ich selbstständig. Meine persönlichen und beruflichen Anforderungen haben sich geändert, genauso aber das Umsteigen auf Linux im Allgemeinen. Als ich Ende 2011 mein erstes Ubuntu Linux installiert hatte, damals noch im Dual-Boot mit Windows 7, wollte ich dieses kurze Zeit später wieder deinstallieren. Unter Ubuntu konnte ich meinen Surfstick nicht über eine GUI verwalten, mein Canon-Drucker funktionierte nicht aufgrund der fehlenden Treiber und insgesamt tat ich mich sehr schwer damit, mich in eine komplett neue Welt einzuarbeiten, in der vieles nur durch nächtelange Frickelei zum Laufen gebracht werden konnte. Statt mit einem Betriebssystem produktiv zu arbeiten, verbrachte ich Wochen und Monate in Linux-Foren und suchte Hilfe für Probleme, die in Windows oder macOS (damals Mac OS X) meistens nur mit einem Klick behoben waren. Aber, ich bereue diese Zeit nicht, es war ein Lernprozess. Heute ist es anders, ein Umstieg geht auch ohne Gefrickel und auch Nutzerinnen und Nutzer, die mit Kommandozeilen und Linux-Foren nichts zu tun haben wollen, können problemlos auf Linux umsteigen. Zumal uns die proprietären Betriebssysteme durch ihre Account-Zwänge und Frontalangriffe auf die Privatsphäre geradezu in die Welt der freien Systeme drängen. In diesem Blogartikel begebe ich mich auf eine Reise und berichte darüber, wie mir das Umsteigen auf Linux als Selbstständiger gelingen soll.

Umsteigen auf Linux: Unterschied zwischen freier und proprietärer Software
Freie und proprietäre Software unterscheiden sich grundlegend in ihrer Philosophie, ihrer Lizenzierung und im Umgang mit dem Quellcode. Während freie Software – häufig auch als Open-Source-Software bezeichnet – dem Nutzer weitreichende Freiheiten einräumt, bleibt proprietäre Software unter der vollständigen Kontrolle eines Unternehmens. Der zentrale Unterschied liegt dabei im Zugang zum Quellcode: Bei freier Software ist dieser öffentlich einsehbar, überprüfbar und veränderbar, bei proprietärer Software bleibt er geschlossen und ausschließlich dem Hersteller vorbehalten.
Die Idee freier Software wurde maßgeblich von Richard Stallman geprägt, der mit der Free Software Foundation ein Modell etablierte, das auf vier grundlegenden Freiheiten basiert: Programme dürfen für jeden Zweck genutzt, untersucht, verändert und weiterverbreitet werden. Systeme wie Linux oder Anwendungen wie LibreOffice und Mozilla Firefox stehen exemplarisch für diesen Ansatz. Der offene Quellcode sorgt für Transparenz und ermöglicht es Unternehmen oder Entwicklern, Software an ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen. Das Umsteigen auf Linux wird für viele Unternehmen zu einer ernstzunehmenden Alternative. Gleichzeitig reduziert sich die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, da theoretisch jeder Entwickler oder Dienstleister die Software weiterentwickeln oder warten kann.
Proprietäre Software verfolgt hingegen ein geschlossenes Geschäftsmodell. Programme wie Microsoft Windows, Microsoft Office, Adobe Photoshop oder macOS werden unter klar definierten Lizenzbedingungen vertrieben. Der Nutzer erwirbt dabei in der Regel kein Eigentum an der Software, sondern lediglich ein Nutzungsrecht. Änderungen am Quellcode sind nicht möglich, und Weiterverbreitung ist meist untersagt. Dafür bieten die Hersteller häufig professionellen Support, regelmäßige Updates sowie eine starke Integration in bestehende Ökosysteme. Besonders im Unternehmensumfeld werden solche Lösungen geschätzt, weil sie standardisierte Prozesse und verlässliche Service-Level-Agreements ermöglichen.
In wirtschaftlicher Hinsicht zeigt sich ein weiterer Unterschied: Freie Software ist häufig kostenlos verfügbar oder verursacht lediglich Support- und Implementierungskosten, während proprietäre Software meist über Lizenz- oder Abonnementmodelle finanziert wird. Allerdings bedeutet „kostenlos“ nicht automatisch „wartungsfrei“, denn auch freie Systeme erfordern Know-how, Pflege und unter Umständen professionelle Betreuung, wenn man auf Linux umsteigen will. Umgekehrt können proprietäre Lösungen langfristig höhere Gesamtkosten verursachen, insbesondere wenn eine starke Herstellerabhängigkeit entsteht.
Hier sind GNU/Linux und freie Software im Einsatz
Der erfolgreiche Einsatz von Linux auf dem Desktop in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen ist heute keine theoretische Vision mehr, sondern in vielen Teilen der Welt gelebte Praxis. Das Umsteigen auf Linux hat sich bewährt. Während Linux seit Jahrzehnten im Serverbereich dominiert, hat sich das freie Betriebssystem auch auf Arbeitsplatzrechnern als leistungsfähige, sichere und wirtschaftliche Alternative etabliert.
Ein bekanntes Beispiel ist die Gendarmerie Nationale in Frankreich. Die nationale Polizeibehörde migrierte schrittweise zehntausende Desktop-Arbeitsplätze auf eine Linux-basierte Umgebung. Ziel war es, Lizenzkosten zu reduzieren, Sicherheitsstandards zu erhöhen und sich langfristig unabhängiger von einzelnen Softwareanbietern zu machen. Die Umstellung erfolgte nicht abrupt, sondern strategisch geplant – zunächst durch die Einführung freier Software wie LibreOffice auf bestehenden Systemen, später durch die vollständige Migration des Betriebssystems.
In zahlreichen deutschen Kommunen und Städten wird Linux inzwischen produktiv genutzt: Beispiele wie die Stadt Schwäbisch Hall oder die Gemeinde Treuchtlingen zeigen, dass Verwaltungssysteme erfolgreich auf freie Software umgestellt wurden, inklusive Linux-Desktops und Büroanwendungen wie LibreOffice, GIMP oder Inkscape. So haben diese Kommunen gezeigt, dass man erfolgreich auf Linux umsteigen kann.
Der Umstieg des Bundeslandes Schleswig-Holstein auf freie Software ist eines der aktuellsten Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Open-Source-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung. Im Rahmen seiner „Open Innovation und Open Source Strategie“ hat die Landesregierung konsequent begonnen, proprietäre Microsoft-Software durch freie Alternativen zu ersetzen, um digitale Souveränität zu stärken und langfristig Kosten zu senken.
Ein besonders aktuelles Beispiel aus dem öffentlichen Sektor kommt aus Österreich: Das Österreichische Bundesheer hat im Jahr 2025 rund 16 000 Arbeitsplätze von proprietärer Bürosoftware auf die freie Office-Suite LibreOffice migriert, die vielfach gemeinsam mit Linux-Desktops eingesetzt wird. Diese Umstellung dient nicht nur zur Kosteneinsparung, sondern vor allem der Stärkung der digitalen Unabhängigkeit und der Kontrolle über die eigene IT-Infrastruktur. Ein weiteres Beispiel, welches zeigt, dass das Umsteigen auf Linux die digitale Souveränität stärkt.
Solche Projekte zeigen, dass Linux-Desktops auch in großen und heterogenen IT-Landschaften funktionieren können: Sie bieten Stabilität, Sicherheit und Flexibilität und lassen sich an lokale Bedürfnisse anpassen. Linux-Distributionen und Open-Source-Bürosoftware erfüllen mittlerweile viele Anforderungen, die Unternehmen und Behörden an produktive Arbeitsplätze stellen, etwa zentrale Verwaltung, langfristige Supportzyklen und die Integration in bestehende IT-Systeme.
LiMux in München: Das Ende eines Leuchtturm-Projekts
Gerade als ich meine ersten Gehversuche mit Linux unternommen hatte und komplett auf Linux umsteigen wollte, war LiMux auf dem Höhepunkt und im Jahr 2011 war mehr als die Hälfte der Rechner in der Münchner Stadtverwaltung auf Linux umgestellt worden. Das Umsteigen auf Linux war also ein voller Erfolg. Über viele Jahre habe ich die Entwicklung von LiMux verfolgt und mir nie vorstellen können, dass dieses Vorzeigeprojekt jemals zu Ende gehen wird. Doch, um LiMux war es nie ruhig. Der Aufstieg und Fall des LiMux-Projekts in der bayerischen Landeshauptstadt ist eine der bekanntesten Geschichten des Einsatzes von Linux im öffentlichen Sektor, mit vielen Lehren für die digitale Verwaltung.

Begonnen hat das Projekt Anfang der 2000er-Jahre: Als der Support für Microsoft Windows NT 4 endete, stand München vor der Herausforderung, tausende Arbeitsplatzrechner zu ersetzen. Die Stadtverwaltung entschied sich im Jahr 2003 mehrheitlich für eine langfristig unabhängige IT-Strategie mit freier Software. Das Umsteigen auf Linux war beschlossen. Die selbst entwickelte Linux-Distribution LiMux, basierend auf Debian und später Ubuntu, sollte die Windows-Desktops ablösen und mit freier Bürosoftware wie OpenOffice.org bzw. später LibreOffice kombiniert werden. Ziel war sowohl die Reduzierung von Lizenzkosten als auch die Stärkung technologischer Souveränität.
In den folgenden Jahren wurde LiMux schrittweise eingeführt: Bis etwa 2013 waren über 15 000 der rund 18 000 Arbeitsplatz-PCs in der Stadtverwaltung migriert. Der neue Linux-Desktop wurde sogar vom TÜV IT nach ISO-Norm zertifiziert, und die Stadt gab Einsparungen von mehr als zehn Millionen Euro an. Damit galt LiMux lange als ein Vorzeigeprojekt für Open-Source-Migration im öffentlichen Bereich und wurde international beachtet.
Trotz dieser Erfolge blieb das Projekt politisch und technisch umstritten. Ursache waren unter anderem praktische Probleme mit der Kompatibilität zu Fachanwendungen, die Unzufriedenheit einzelner Nutzer und wiederkehrende Diskussionen über Produktivität und Support. Bereits in den 2010er-Jahren wurde intern und öffentlich über die Fortführung des Projekts oder eine Rückkehr zu proprietären Systemen diskutiert. Im November 2017 fasste der Münchner Stadtrat schließlich den Beschluss, die Migration zurückzunehmen und die Desktops wieder auf Microsoft-Windows-Clients und Microsoft-Office-Software umzustellen.
Seit dem offiziellen Aus des Desktop-Projekts arbeitet München jedoch wieder stärker an Initiativen für freie Software und offene Standards: Die Stadt hat einen Open-Source-Plan verabschiedet, ein eigenes Open Source Program Office eingerichtet und fördert seit einigen Jahren gezielt Projekte, die digitale Souveränität und offene Technologien unterstützen. Ob München jemals wieder auf Linux umsteigen wird, steht in den Sternen.
Abhängigkeiten von Big Tech
Die zunehmende Abhängigkeit von großen Technologiekonzernen, oft als „Big Tech“ bezeichnet, birgt im digitalen Alltag erhebliche Risiken für Unternehmen, Staaten und Privatpersonen. Was auf den ersten Blick komfortabel wirkt, integrierte Cloud-Dienste, perfekt verzahnte Geräte, automatische Updates und zentrale Benutzerkonten, kann sich bei genauerer Betrachtung als strukturelle Abhängigkeit entpuppen. Manche sprechen in diesem Zusammenhang vom „goldenen Käfig“.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Einschränkung der Privatsphäre. Moderne Betriebssysteme und Cloud-Plattformen erfassen umfangreiche Telemetriedaten: Nutzungsverhalten, Systeminformationen, Absturzberichte, teilweise sogar Interaktionsmuster. Für viele Nutzer ist das ein Grund darüber nachzudenken, ob sie auf Linux umsteigen können.
Viele Systeme lassen sich nur noch eingeschränkt oder gar nicht ohne Online-Konto einrichten. Betriebssysteme, Office-Pakete oder Cloud-Speicher sind an Benutzerkonten gekoppelt, die zentral verwaltet werden. Wer den Account verliert, etwa durch eine automatische Sperrung, einen Algorithmus-Fehler oder einen Compliance-Verstoß, verliert unter Umständen gleichzeitig den Zugriff auf E-Mails, Dokumente, Cloud-Backups oder sogar auf das Gerät selbst. Nach dem Umsteigen auf Linux hat man diese Probleme nicht.
Damit verbunden ist die reale Gefahr eines sogenannten Kill Switch. Technisch ist es bei vielen modernen Systemen möglich, Geräte oder Software aus der Ferne zu deaktivieren, etwa über Lizenzserver, Aktivierungsmechanismen oder Cloud-Verifizierungen. Das bedeutet, dass ein Hersteller grundsätzlich in der Lage ist, ein System zentral unbrauchbar zu machen. Für Staaten oder kritische Infrastrukturen stellt diese Möglichkeit ein strategisches Risiko dar, insbesondere in geopolitisch angespannten Zeiten.
Mein Abschied von Windows
In die Welt der Rechner bin ich mit Windows XP eingestiegen und habe dieses System damals wertgeschätzt. Mit Vista war ich dann nicht sehr zufrieden und Windows 7 hat dann wieder Spaß gemacht. Trotzdem habe ich das Umsteigen auf Linux für mich entdeckt, nutzte aber Windows 7 parallel weiter. Windows 8 habe ich dann komplett übersprungen und habe mir ab 2016 mit Windows 10 wieder ein System aus Redmond zugelegt. Und, was soll ich sagen, Windows 10 war damals für mich ein frisches und produktives Betriebssystem. Trotzdem war Ubuntu Linux viele Jahre mein primäres Betriebssystem, Windows 10 habe ich nebenbei genutzt.

Doch, im Laufe der Jahre wurde es immer schlimmer um die Privatsphäre. Seit einiger Zeit synchronisiert Outlook E-Mail-Passwörter mit der Cloud, übrigens ohne deine Zustimmung. Nicht cool. Die Recall-Funktion macht alle paar Sekunden ein Screenshot von deinem Desktop, damit die KI deine Tätigkeiten durchsuchen kann. Muss man auch nicht haben. Die Schlüssel der Festplattenverschlüsselung wird standardmäßig online gespeichert und ist mit richterlichem Beschluss abrufbar. Das sind nur einige der Probleme mit dem Betriebssystem aus Redmond, sieht man vom Account-Zwang und Werbung im Startmenü ab. Die Verärgerung über die Hardwareanforderungen für Windows 11 hat viele unzufriedene Nutzerinnen und Nutzer in die Arme von GNU/Linux geführt. Das Umsteigen auf Linux war nie einfacher, aber auch nie dringender.
Ende 2025 habe ich meine Konsequenzen gezogen und habe mich von Windows verabschiedet. Auf Windows 11 bin ich erst gar nicht umgestiegen. Da ich seit 2022 ein MacBook Pro M1 habe, nutze ich beruflich als Webdesigner macOS und privat weiterhin Ubuntu. Mit Ubuntu auf einem Lenovo ThinkPad T490s habe ich mir eine kleine Insel der Privatsphäre aufgebaut, ohne proprietäre Software, ohne Google und nur mit europäischer Software. Auf einem weiteren und älteren ThinkPad habe ich das leichtgewichtige Xubuntu laufen und nutze dieses System offline und als digitale Schreibmaschine.
Umsteigen auf Linux – Fazit Teil 1
Es war geplant, meinen Umstieg auf Linux in nur einem Blogartikel zusammenzufassen, aber der Artikel hat jetzt schon über 1900 Wörter. Das zeigt, dass es zu den Themen Datenschutz, Privatsphäre und digitale Souveränität viel zu sagen gibt. Also wird es eine mehrteilige Artikelserie. Mit dem Abschied von Windows habe ich bereits einen großen Schritt unternommen, doch es bleibt noch viel zu tun. Während ich privat bereits komplett auf Linux arbeite und nur freie Software nutze, habe ich auf dem MacBook Pro eine Menge proprietärer Software, wie das Office 365. Noch nutze ich Outlook als E-Mail-Client und Google Chrome als Browser. Und genau hier will ich nach und nach auf freie Software umsteigen. Dabei will ich langsam und überlegt vorgehen, es soll ein Marathon und kein Sprint werden. Auch wenn ich es wollte, könnte ich nicht in einem oder zwei Jahren komplett auf Linux umsteigen. Denn, mein MacBook Pro ist mit drei Jahren noch jung und dieses möchte ich so lange nutzen, bis Apple macOS mit Updates versorgt. Danach, so meine Vorstellung, sollte das MacBook Pro mit Linux weiterlaufen. Stand 2026 ist nur die Installation von Asahi Linux auf Apple Silicon Macs möglich. Hier hoffe ich in den nächsten Jahren auf eine breitere Auswahl an Linux-Distributionen. Wie ich eingangs geschrieben habe, ist das Umsteigen auf Linux eine Reise und ich freue mich auf viele spannende Zwischenstationen, über die ich hier berichten werde.
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