Machtwechsel bei Automattic: WordPress-Gründer Mullenweg vorerst abgelöst

Matt Mullenweg ist seinen Posten als Geschäftsführer von Automattic vorläufig los. Der WordPress-Mitgründer informierte die Belegschaft über einen internen Chat und äußerte dabei den Verdacht, der Aufsichtsrat habe sich gegen ihn gestellt. Das Unternehmen bestätigte den Führungswechsel später, nannte jedoch keine konkreten Gründe.

Die Leitung übernimmt übergangsweise der bisherige Finanzchef von Automattic. Mullenweg bleibt dem Unternehmen als Mitglied des Aufsichtsrats erhalten und soll auch weiterhin an der Spitze des WordPress-Projekts stehen. Ob und wann er auf den Geschäftsführerposten zurückkehren könnte, ist bislang offen.

WordPress-Projekt soll unverändert weiterlaufen

Automattic gehört zu den einflussreichsten Unternehmen im offenen Web. Neben WordPress.com betreibt die Firma unter anderem die Blogging-Plattform Tumblr, die E-Commerce-Lösung WooCommerce und die Podcast-App Pocket Casts.

Auf die Entwicklung des quelloffenen Content-Management-Systems WordPress soll sich Mullenwegs Freistellung nicht auswirken. WordPress-Geschäftsführerin Mary Hubbard versicherte der Entwicklergemeinschaft, dass Teams, Prioritäten und laufende Arbeiten wie geplant fortgeführt würden. Mullenweg bleibe Leiter des Projekts, während sie selbst ihre bisherige Funktion beibehalte.

Diese Trennung ist bedeutsam: WordPress ist ein unabhängiges Open-Source-Projekt, während Automattic ein privat geführtes Unternehmen ist, das zahlreiche kommerzielle Dienste rund um das CMS anbietet.

Konflikte innerhalb des WordPress-Ökosystems

Der Führungswechsel folgt auf eine Phase heftiger Auseinandersetzungen. Mullenweg geriet in den vergangenen Jahren sowohl mit Beschäftigten als auch mit wichtigen Akteuren des WordPress-Ökosystems aneinander.

Besonders der öffentlich ausgetragene Streit mit dem Hosting-Anbieter WP Engine belastete das Verhältnis zu Plugin-Entwicklern und Teilen der eigenen Belegschaft. Im Zuge der Auseinandersetzungen nahmen fast 160 Mitarbeiter ein Abfindungsangebot an und verließen Automattic. Anfang 2025 trennte sich das Unternehmen zudem von weiteren 16 Prozent seiner Beschäftigten.

Mullenweg präsentierte sich währenddessen weiterhin als entschiedener Verteidiger quelloffener Software. Seine Kritiker warfen ihm jedoch vor, die Grenzen zwischen dem unabhängigen WordPress-Projekt und den geschäftlichen Interessen von Automattic nicht immer klar genug zu ziehen.
Warum der Aufsichtsrat nun eingegriffen hat, bleibt vorerst unbeantwortet. Fest steht lediglich: Automattic steht vor einem überraschenden Machtwechsel, während Mullenwegs Einfluss auf WordPress trotz seiner Ablösung als Geschäftsführer bestehen bleibt.

Sladjan Lazic

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