Ein Entwicklerteam hat mit EmDash ein neues Content-Management-System vorgestellt, das als „spiritueller Nachfolger“ von WordPress positioniert wird. Ziel ist es, die Stärken von WordPress zu bewahren, gleichzeitig aber zentrale Schwächen – insbesondere bei der Pluginsicherheit – grundlegend zu lösen.
Ein moderner Ansatz für ein altes System
WordPress betreibt heute über 40 Prozent aller Websites weltweit und gilt als eines der erfolgreichsten Open-Source-Projekte überhaupt. Doch die Software ist inzwischen fast 25 Jahre alt – und wurde in einer Zeit entwickelt, in der moderne Cloud- und Serverless-Technologien noch nicht existierten.
Mit EmDash soll nun ein CMS entstehen, das genau diese Entwicklungen nutzt. Die Plattform ist vollständig in TypeScript geschrieben, serverlos konzipiert und kann dennoch flexibel auf eigener Infrastruktur oder beliebigen Plattformen betrieben werden. Als technologische Basis dient das Web-Framework Astro, das speziell für inhaltsgetriebene Websites optimiert ist.
Sicherheitsproblem bei Plugins im Fokus
Ein zentrales Problem von WordPress liegt laut den Entwicklern in seiner Plugin-Architektur. Rund 96 % aller Sicherheitslücken entstehen demnach durch Plugins. Der Grund: Plugins erhalten direkten Zugriff auf Datenbank und Dateisystem – ohne echte Isolation.
EmDash setzt hier auf ein anderes Konzept. Plugins laufen in einer abgeschotteten Umgebung („Sandbox“) und erhalten nur exakt die Berechtigungen, die sie zuvor deklarieren. Dadurch soll sichergestellt werden, dass ein Plugin ausschließlich die Funktionen ausführen kann, für die es ausdrücklich freigegeben wurde.
Dieses Modell erinnert an moderne Berechtigungssysteme, wie sie etwa bei API-Zugriffen oder OAuth-Anwendungen üblich sind.
Weniger Abhängigkeit von zentralen Marktplätzen
Die Sicherheitsprobleme bei WordPress haben auch Auswirkungen auf das Ökosystem: Plugins müssen oft über zentrale Marktplätze vertrieben werden, die Vertrauen durch Bewertungen und Prüfungen schaffen.
EmDash will diese Abhängigkeit reduzieren. Da Plugins isoliert laufen und keine direkten Systemzugriffe haben, sollen Entwickler ihre Erweiterungen unabhängig anbieten können. Auch die Lizenzierung ist flexibler: Im Gegensatz zur GPL-Pflicht bei WordPress können EmDash-Plugins unter beliebigen Lizenzen veröffentlicht werden.
Neue Monetarisierungsmodelle für Inhalte
Ein weiterer Fokus liegt auf der Zukunft von Online-Inhalten. EmDash integriert den offenen Zahlungsstandard x402, der direkte Bezahlmodelle für Inhalte ermöglicht. Nutzer oder automatisierte Agenten können Inhalte per HTTP-Anfrage gegen Bezahlung abrufen – ohne klassische Abonnements.
Damit reagiert das Projekt auf veränderte Nutzungsgewohnheiten im Internet, insbesondere durch KI-Agenten, die Inhalte automatisiert konsumieren.
Im Gegensatz zu WordPress, das klassische Serverinfrastruktur benötigt, ist EmDash für serverlose Umgebungen konzipiert. Das System kann automatisch auf null herunterfahren und bei Bedarf sofort skalieren. Dadurch sollen Kosten gesenkt und Performance verbessert werden.
EmDash versteht sich zudem als „AI-native CMS“. Entwickler können Inhalte, Strukturen und Funktionen über Kommandozeilen-Tools oder KI-Agenten steuern. Auch Migrationen – etwa von bestehenden WordPress-Seiten – sollen automatisiert möglich sein.
Offenes Projekt mit ambitionierten Zielen
Das Projekt ist vollständig Open Source und unter MIT-Lizenz auf GitHub verfügbar. Obwohl EmDash viele WordPress-Funktionen abbilden soll, wurde kein Originalcode übernommen.
Die Entwickler sehen EmDash nicht als Ersatz, sondern als Weiterentwicklung: WordPress werde weiterhin bestehen, doch das Ökosystem benötige neue Ansätze für moderne Webanwendungen.
Mit EmDash entsteht ein ambitionierter Versuch, das dominierende CMS des Internets technologisch neu zu denken. Besonders die Sicherheitsarchitektur für Plugins und der Fokus auf Serverless sowie KI-Integration könnten das Projekt für Entwickler und Plattformbetreiber interessant machen.
Ob EmDash jedoch tatsächlich eine ernsthafte Alternative zu WordPress wird, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
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