Euro-Office: Neue Open-Source-Alternative zu Microsoft Office angekündigt

Nextcloud und Ionos setzen auf eigene Office-Suite.

Die Unternehmen Nextcloud und Ionos haben gemeinsam mit Partnern die Entwicklung einer neuen, quelloffenen Office-Suite angekündigt. Unter dem Projektnamen „Euro-Office“ soll bereits im Sommer eine erste stabile Version erscheinen. Ziel ist es, eine leistungsfähige Alternative zum marktführenden Microsoft Office zu schaffen.

Nach Angaben von Ionos-CEO Achim Weiß richtet sich das Produkt an ein breites Publikum – vom kleinen Unternehmen bis hin zum öffentlichen Sektor. Die Vorstellung des Projekts erfolgte am Freitag in Berlin.

Technische Basis: Fork von OnlyOffice

Statt bei null zu beginnen, setzen die Entwickler auf bestehende Technologien. Grundlage von Euro-Office ist ein Fork der Open-Source-Komponenten von OnlyOffice. Darauf aufbauend soll die neue Suite kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Bereits im Sommer soll Euro-Office die bisher eingesetzten Lösungen wie Collabora Online innerhalb von Nextcloud und im Ionos Nextcloud Workspace ersetzen. Eine erste technische Vorschau ist bereits über GitHub verfügbar.

Kritik an LibreOffice und strategische Entscheidung

Die Wahl von OnlyOffice als Basis begründen die Verantwortlichen unter anderem mit dessen moderner Architektur. LibreOffice, so die Einschätzung von Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek, sei in Teilen technisch überholt und insbesondere im Browser weniger leistungsfähig.

Gleichzeitig betonen die Projektpartner, dass die Zusammenarbeit mit Collabora fortgeführt werden soll. Einzelne Komponenten könnten künftig auch in Euro-Office integriert werden.

Ein möglicher Kritikpunkt betrifft die Herkunft von OnlyOffice, das seine Wurzeln in Russland hat. Nextcloud und Ionos weisen jedoch Sicherheitsbedenken zurück. Der zugrunde liegende Open-Source-Code sei umfassend geprüft worden. Nicht-offene Bestandteile hätten die Entwickler durch eigene Lösungen ersetzt.

„Jeder kann es selbst prüfen“, betonte Achim Weiß und verwies auf die Transparenz des Open-Source-Ansatzes.

Integration, KI-Funktionen und Wettbewerb zu openDesk

Mit Euro-Office wollen sich die Partner auch vom Open-Source-Paket openDesk des ZenDiS abheben. Geplant sind eine tiefere Integration der Anwendungen sowie zusätzliche KI-Funktionen.

Die technische Leitung liegt bei Nextcloud, das die Integration der verschiedenen Komponenten vorantreiben soll. Beide Unternehmen planen, jeweils eine zweistellige Anzahl an Entwicklern für das Projekt einzustellen.

Gleichzeitig bleibt die Zusammenarbeit offen: Euro-Office könnte künftig auch als Office-Komponente innerhalb von openDesk eingesetzt werden.

Neben Nextcloud und Ionos unterstützen weitere Partner das Projekt, darunter XWiki, Soverin, OpenProject sowie die EuroStack Initiative.

Die Initiatoren rufen insbesondere öffentliche Einrichtungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Open-Source-Community zur Mitwirkung auf. Ziel ist es, gemeinsam eine souveräne, europäische Alternative im Office-Markt zu etablieren.


Sladjan Lazic

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