WordPress begann nicht als ambitioniertes Vorhaben, das Internet zu erobern. Die Plattform entstand aus einem viel praktischeren Bedürfnis: Menschen sollten ihre Gedanken unkompliziert im Web veröffentlichen können. Aus dieser überschaubaren Idee entwickelte sich eines der einflussreichsten Open-Source-Projekte der digitalen Geschichte. In diesem Blogartikel schreibe ich über die Geschichte von WordPress.

Geschichte von WordPress: Die Wurzeln in b2/cafelog
Die Vorgeschichte von WordPress führt zu b2/cafelog, einer frühen Blogging-Software des französischen Entwicklers Michel Valdrighi. Sie war in PHP geschrieben und speicherte Inhalte in einer MySQL-Datenbank, eine technische Grundlage, die später auch WordPress übernehmen sollte. Als die Weiterentwicklung von b2/cafelog ins Stocken geriet, suchten Nutzer nach einer zukunftsfähigen Alternative.
Einer dieser Nutzer war der amerikanische Student und Blogger Matt Mullenweg. Anfang 2003 schrieb er in seinem Blog über die Idee, b2/cafelog weiterzuentwickeln. Der britische Entwickler Mike Little reagierte darauf und bot seine Mitarbeit an. Gemeinsam begannen sie, auf Grundlage des bestehenden Codes eine neue Veröffentlichungsplattform zu entwickeln. Da b2/cafelog unter einer freien Lizenz stand, konnten sie das Projekt rechtmäßig aufgreifen und fortführen.
Die erste Version von WordPress
Am 27. Mai 2003 erschien WordPress 0.7. Der Name WordPress wurde von Christine Selleck Tremoulet vorgeschlagen, einer Freundin Mullenwegs. Schon die erste Version enthielt Funktionen, die für Blogger wichtig waren, darunter eine übersichtlichere Verwaltung von Beiträgen, unterschiedliche Beitragsstatus und ein verbessertes System für Links.
Von Anfang an war WordPress freie und quelloffene Software. Jeder durfte den Programmcode verwenden, untersuchen, verändern und weitergeben. Diese Offenheit wurde zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. WordPress war dadurch nicht ausschließlich von einem Unternehmen abhängig, sondern konnte von einer internationalen Gemeinschaft weiterentwickelt werden.
Der Durchbruch durch Erweiterbarkeit
Mit WordPress 1.0, das Anfang 2004 erschien, wurde die Plattform deutlich ausgereifter. Einen wichtigen Entwicklungsschritt brachte Version 1.2 mit dem Plugin-System. Entwickler konnten WordPress nun um neue Funktionen ergänzen, ohne dafür den Kern der Software verändern zu müssen. Das machte die Plattform flexibel und schuf die Grundlage für ein stetig wachsendes Ökosystem.
Kurz darauf gewann WordPress stark an Aufmerksamkeit. Der damals populäre Blogging-Dienst Movable Type änderte 2004 sein Lizenzmodell und löste damit Unzufriedenheit unter vielen Nutzern aus. Ein Teil der Community suchte nach einer freien Alternative und wechselte zu WordPress. Die noch junge Software erhielt dadurch einen erheblichen Wachstumsschub.
Im Jahr 2005 führte WordPress 1.5 ein Theme-System ein. Gestaltung und Inhalte ließen sich nun klarer voneinander trennen. Anwender konnten das Erscheinungsbild ihrer Website wechseln, ohne sämtliche Inhalte neu bearbeiten zu müssen. Diese Kombination aus Themes und Plugins verwandelte WordPress schrittweise von einer reinen Blogging-Anwendung in ein vielseitiges Content-Management-System.
Die Entstehung eines Ökosystems
Ebenfalls 2005 gründete Matt Mullenweg das Unternehmen Automattic. Es betreibt unter anderem WordPress.com, einen kommerziellen Dienst, bei dem Nutzer Websites erstellen können, ohne die Software selbst installieren zu müssen. WordPress.com ist jedoch nicht mit dem Open-Source-Projekt WordPress.org gleichzusetzen. Während Automattic ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist, wird die frei verfügbare WordPress-Software von einer weltweiten Community entwickelt.
Diese Unterscheidung ist bis heute wichtig. Das offene Projekt profitiert zwar von der Arbeit Automattics, wird aber auch von zahlreichen unabhängigen Entwicklern, Agenturen, Designern, Übersetzern und freiwilligen Helfern getragen. Veranstaltungen wie die WordCamps und lokale Meetups stärkten den Austausch innerhalb dieser Gemeinschaft und machten WordPress zu einem sozialen ebenso wie zu einem technischen Projekt.
Vom Blog zum vollständigen Content-Management-System
Im Laufe der folgenden Jahre erhielt WordPress immer mehr Funktionen, die weit über das klassische Bloggen hinausgingen. Benutzerdefinierte Inhaltstypen, verbesserte Medienverwaltung, Navigationsmenüs und leistungsfähigere Programmierschnittstellen ermöglichten den Aufbau komplexer Websites. Unternehmen, Nachrichtenportale, Onlineshops, Vereine und öffentliche Einrichtungen begannen, WordPress für sehr unterschiedliche Aufgaben einzusetzen.
Ein weiterer bedeutender Schritt war die Zusammenführung mit WordPress MU im Jahr 2010. Dessen Multisite-Funktionen wurden Bestandteil des WordPress-Kerns. Seitdem kann eine einzige Installation mehrere Websites verwalten, was die Plattform auch für größere Organisationen und Netzwerke interessanter machte.
Parallel wuchs die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts. Rund um WordPress entstand ein internationaler Markt für Hosting, Webentwicklung, Design, Wartung, Sicherheitslösungen und Erweiterungen. Besonders das Plugin WooCommerce, das 2015 von Automattic übernommen wurde, machte WordPress zu einer wichtigen Plattform für den Onlinehandel.
Der Gutenberg-Editor verändert das Schreiben
Über viele Jahre beruhte die Bearbeitung von Inhalten auf einem klassischen Texteditor. Mit WordPress 5.0 wurde Ende 2018 der Gutenberg-Editor eingeführt. Inhalte bestehen darin aus einzelnen Blöcken, beispielsweise für Absätze, Bilder, Überschriften oder Spalten. Dieses Konzept sollte die Gestaltung moderner Seiten erleichtern und zugleich eine gemeinsame technische Grundlage für unterschiedliche Inhaltsarten schaffen.

Die Einführung war innerhalb der Community umstritten. Manche Nutzer empfanden den neuen Editor als unfertig oder als zu großen Bruch mit vertrauten Arbeitsweisen. Dennoch wurde das Blocksystem konsequent weiterentwickelt. Mit dem Full Site Editing ließ sich später nicht nur der Inhalt einzelner Beiträge, sondern auch das Erscheinungsbild ganzer Websites über Blöcke gestalten.
Diese Entwicklung zeigt eine wiederkehrende Eigenschaft von WordPress: Das Projekt versucht, sich zu modernisieren, ohne seine enorme bestehende Nutzerbasis zurückzulassen. Dieser Anspruch führt regelmäßig zu Diskussionen, ist aber auch Ausdruck einer lebendigen Open-Source-Kultur.
Eine Erfolgsgeschichte der Offenheit
Die Geschichte von WordPress ist eng mit der Idee eines offenen Webs verbunden. Aus der Weiterentwicklung einer eingestellten Blogging-Software entstand eine Plattform, die Menschen ohne tiefgehende Programmierkenntnisse das Publizieren ermöglicht. Gleichzeitig bietet sie Entwicklern genügend Freiheiten, um anspruchsvolle digitale Angebote zu bauen.
Der langfristige Erfolg von WordPress beruht daher nicht auf einer einzelnen technischen Innovation. Entscheidend war das Zusammenspiel aus freier Lizenzierung, einfacher Bedienung, Erweiterbarkeit und einer engagierten Gemeinschaft. WordPress wuchs, weil Menschen den Quellcode verbessern, Erweiterungen entwickeln, Dokumentationen schreiben, Übersetzungen erstellen und ihr Wissen miteinander teilen konnten.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner ersten Veröffentlichung steht WordPress für den Wandel des Internets selbst: vom persönlichen Weblog über professionelle Unternehmensseiten bis hin zu komplexen digitalen Plattformen. Seine Entstehungsgeschichte erinnert daran, dass ein kleines, offen entwickeltes Projekt eine enorme Wirkung entfalten kann, wenn eine Gemeinschaft bereit ist, es gemeinsam weiterzuführen.
Die Geschichte von WordPress – Fazit
Die Entstehungsgeschichte von WordPress zeigt eindrucksvoll, wie aus einer einfachen Blogging-Software eine der bedeutendsten Plattformen des Internets werden konnte. Ausschlaggebend für diesen Erfolg waren die offene Entwicklung, die flexible Erweiterbarkeit und eine engagierte weltweite Gemeinschaft. Trotz technischer Veränderungen und kontroverser Neuerungen ist WordPress seinem ursprünglichen Ziel treu geblieben: Menschen das Veröffentlichen im Web möglichst einfach und frei zu ermöglichen. Damit ist WordPress nicht nur ein Content-Management-System, sondern auch ein prägendes Beispiel für die Kraft von Open Source und gemeinschaftlicher Innovation.
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