35 Jahre GNU/Linux: Alles Gute zum Geburtstag! 🎂

Vor 35 Jahren begann die Geschichte eines Betriebssystems, das die Computerwelt grundlegend verändern sollte. Im Jahr 1991 arbeitete der finnische Informatikstudent Linus Torvalds an einem eigenen Betriebssystemkern. Was zunächst als privates Experiment gedacht war, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem internationalen Gemeinschaftsprojekt. Heute bildet Linux eine wichtige Grundlage für Server, Smartphones, Supercomputer und zahlreiche Geräte des täglichen Lebens. Ich bin Ende 2011 in die Welt von GNU/Linux eingestiegen und dem freien Betriebssystem bis heute treu geblieben. Diesen Blogartikel schreibe ich unter der Linux-Distribution Ubuntu.

Die Computerwelt zu Beginn der 1990er-Jahre

Als Linux entstand, sah die Welt der Computer noch deutlich anders aus als heute. Das Internet war nur wenigen Menschen zugänglich, leistungsfähige Computer waren teuer und viele Betriebssysteme gehörten einzelnen Unternehmen. Nutzer konnten den Programmcode dieser Systeme normalerweise nicht einsehen oder verändern. Wer ein Betriebssystem verwenden wollte, war deshalb stark von dessen Hersteller abhängig.

Gleichzeitig wuchs an Universitäten und unter Programmierern das Interesse an offenen Systemen. Viele Entwickler wollten verstehen, wie Betriebssysteme funktionieren. Sie wollten Programme nicht nur benutzen, sondern auch untersuchen, anpassen und verbessern können. In diesem Umfeld begann Linus Torvalds mit seiner Arbeit.

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Linus Torvalds startet ein Hobbyprojekt

Torvalds studierte damals Informatik an der Universität Helsinki. Auf seinem Computer nutzte er Minix, ein einfaches Betriebssystem, das vor allem für Lehrzwecke entwickelt worden war. Minix orientierte sich am Betriebssystem Unix, bot Torvalds jedoch nicht alle Möglichkeiten, die er sich wünschte. Deshalb begann er, einen eigenen Betriebssystemkern zu programmieren.

Der Kernel ist der zentrale Teil eines Betriebssystems. Er vermittelt zwischen der Hardware und den laufenden Programmen. Der Kernel sorgt beispielsweise dafür, dass Software den Prozessor, den Arbeitsspeicher, Festplatten und andere Geräte nutzen kann. Ohne ihn wäre ein vollständiges Betriebssystem nicht funktionsfähig.

Am 25. August 1991 stellte Torvalds sein Vorhaben in einer Internet-Newsgroup vor. Er erklärte, dass er an einem freien Betriebssystem für bestimmte Computer arbeite. Gleichzeitig bezeichnete er das Projekt als Hobby und machte deutlich, dass es vermutlich nicht groß oder professionell werden würde. Aus heutiger Sicht wirkt diese Einschätzung fast bescheiden, denn Linux entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Softwareprojekte der Geschichte.

Aus einer Idee wird ein Gemeinschaftsprojekt

Schon bald interessierten sich weitere Entwickler für die Arbeit von Torvalds. Sie testeten den Kernel, meldeten Fehler und schlugen Verbesserungen vor. Andere programmierten neue Funktionen oder passten Linux an zusätzliche Hardware an. Die Zusammenarbeit erfolgte über das Internet und war damit ein frühes Beispiel für eine weltweit organisierte Softwareentwicklung.

Ein wichtiger Schritt war die Veröffentlichung unter einer freien Softwarelizenz. Dadurch durfte der Quellcode von Linux angesehen, verändert und weitergegeben werden. Entwickler mussten ihre Arbeit nicht bei null beginnen, sondern konnten auf den Ergebnissen anderer aufbauen. Verbesserungen kamen wiederum der gesamten Gemeinschaft zugute.

Dieses offene Modell unterschied sich deutlich von der Entwicklung vieler kommerzieller Betriebssysteme. Bei Linux konnte grundsätzlich jeder mitarbeiten, sofern die Beiträge den technischen Anforderungen entsprachen. Dadurch wuchs das Projekt schnell und gewann immer mehr Unterstützer.

Die wichtige Rolle des GNU-Projekts

Linux entstand nicht in einem leeren Raum. Bereits 1983 hatte der US-amerikanische Programmierer Richard Stallman das GNU-Projekt ins Leben gerufen. GNU steht für „GNU’s Not Unix“. Das Ziel bestand darin, ein vollständiges und freies Betriebssystem nach dem Vorbild von Unix zu entwickeln.

Frei bedeutete in diesem Zusammenhang nicht nur kostenlos. Nutzer sollten das Recht haben, den Quellcode zu untersuchen, die Software zu verändern und angepasste Versionen weiterzugeben. Damit wollte das GNU-Projekt den Menschen mehr Kontrolle über ihre Computer geben.

Bis Anfang der 1990er-Jahre waren im Rahmen von GNU bereits zahlreiche wichtige Bestandteile eines Betriebssystems entstanden. Dazu gehörten Werkzeuge für Entwickler, Systemprogramme, Bibliotheken und eine Kommandozeile. Was noch fehlte, war ein stabiler und im Alltag nutzbarer Betriebssystemkern.

Der von Linus Torvalds entwickelte Linux-Kernel schloss diese Lücke. Er ließ sich mit den vorhandenen GNU-Programmen verbinden. Auf diese Weise entstand ein vollständiges freies Betriebssystem. Im Alltag wird dieses System meistens einfach Linux genannt. Einige Entwickler und Organisationen verwenden jedoch bewusst die Bezeichnung GNU/Linux, um auf die Bedeutung des GNU-Projekts hinzuweisen.

Ich verwende überwiegend die Bezeichnung GNU/Linux.

Linux erobert Server und Rechenzentren

Besonders erfolgreich wurde Linux im Bereich der Server. Diese Computer stellen Webseiten bereit, speichern Daten oder führen Anwendungen für viele Nutzer gleichzeitig aus. Linux erwies sich dabei als stabil, flexibel und vergleichsweise leicht an unterschiedliche Anforderungen anpassbar.

Unternehmen konnten den Quellcode prüfen und das System für ihre eigenen Zwecke verändern. Außerdem mussten sie sich nicht vollständig von einem einzelnen Betriebssystemhersteller abhängig machen. Rund um Linux entstand ein Markt für Beratung, Wartung und professionelle Unterstützung.

Heute läuft ein großer Teil der weltweiten Internet-Infrastruktur auf Linux-Systemen. Auch viele Cloud-Dienste und Rechenzentren verwenden Linux. Wer eine Webseite besucht, eine Suchmaschine nutzt oder Daten in einer Onlineanwendung speichert, greift deshalb häufig auf einen Linux-Server zu, ohne es zu bemerken.

Mit der wachsenden Zahl an Programmen entstand die Notwendigkeit, Linux einfacher zu installieren und zu verwalten. Deshalb entwickelten verschiedene Gruppen sogenannte Distributionen. Eine Linux-Distribution verbindet den Kernel mit GNU-Werkzeugen, grafischen Oberflächen, Anwendungsprogrammen und einer Installationsroutine.

Zu den bekannten frühen Distributionen gehören Debian, Slackware, Red Hat und SUSE. Später kamen Systeme wie Ubuntu, Linux Mint, Fedora und Arch Linux hinzu. Die verschiedenen Angebote verfolgen unterschiedliche Ziele. Einige richten sich an Unternehmen und Serverbetreiber, andere an Entwickler oder private Nutzer.

Durch diese Distributionen wurde Linux deutlich benutzerfreundlicher. Anwender mussten nicht mehr alle Bestandteile selbst zusammensuchen. Sie erhielten ein fertiges System, das sich installieren, aktualisieren und mit weiteren Programmen ausstatten ließ.

Mein Einstieg in die Welt von GNU/Linux

Ab 2004 hatte ich einen eigenen Rechner und nutzte über viele Jahre Microsoft Windows. Angefangen habe ich mit Windows XP, dann nutzte ich Vista und ab 2009 hatte ich Windows 7. Ich war mit Windows 7 sehr zufrieden, doch seit Jahren schlummerte innerlich der Wunsch, Linux auszuprobieren.

Ich wusste nicht viel über das freie Betriebssystem, nur dass es eben Freie Software war und der Code von jedermann eingesehen und bearbeitet werden konnte. Ein Fachartikel auf Spiegel Online Ende 2011 gab mir die Motivation, meinen Wunsch zu verwirklichen und das freie Betriebssystem auszuprobieren. Ich installierte die Distribution Ubuntu auf meinem Sony Vaio Notebook im Dualboot, d. h. parallel mit Windows.

Bei jedem Rechnerstart konnte ich mich entscheiden, ob ich Windows 7 oder Linux Ubuntu auswähle. Die Welt von GNU/Linux erschien mir sehr interessant, doch anfangs kam ich sehr schwer mit dem Konzept klar. Ich musste mich gründlich in das Thema einlesen, mir die Grundlagen aneignen und eine Menge Neues lernen. Linux ist eben nicht Windows und das musste ich auch, teilweise schmerzhaft, lernen.

Mein Ubuntu-Desktop, 2013

Es dauerte Monate, bis ich von einem Produktivsystem auf meinen Rechnern sprechen konnte, doch irgendwann nutzte ich nur oder überwiegend Linux und kam im Ökosystem der Freien Software an. Windows habe ich als Parallel-Betriebssystem behalten und nutzte es nur hin und wieder. Meine komplette Arbeit war auf GNU/Linux ausgerichtet. Ich könnte über die vielen Vorteile des freien Betriebssystems ausführlich schreiben, doch das würde den Rahmen dieses Blogartikels sprengen.

Besonders gefällt mir die Stabilität von Linux und die Freiheit, das System nach eigenen Wünschen zu konfigurieren. Auch die große Auswahl freier Software, die Kontrolle über das System, bei dem du der Inhaber und nicht lediglich Nutzer bist und der Schutz der Privatsphäre, sind mir enorm wichtig. Linux sammelt nicht wahllos deine Daten und verwertet diese. Im privaten und teilweise beruflichen Bereich nutze ich GNU/Linux und für spezialisierte Aufgaben verwende ich macOS.

Ich mache mit Linux Webentwicklung, Videobearbeitung, Bildbearbeitung, Office-Arbeiten, arbeite mit ChatGPT und surfe im Internet. Also, alles, was man so mit einem Betriebssystem macht.

Vom Smartphone bis zum Supercomputer

Linux ist heute längst nicht mehr nur auf klassischen Computern zu finden. Der Linux-Kernel bildet auch die technische Grundlage von Android. Damit steckt Linux in sehr vielen Smartphones, Tablets, Fernsehern und anderen Geräten.

Darüber hinaus wird Linux in Routern, Überwachungssystemen, Autos, Industriemaschinen und Geräten des sogenannten Internets der Dinge eingesetzt. Seine offene und anpassbare Struktur macht den Kernel für Hersteller interessant. Sie können nur die Bestandteile verwenden, die sie für ihr jeweiliges Produkt benötigen.

Eine besonders große Bedeutung besitzt Linux zudem im wissenschaftlichen Bereich. Leistungsstarke Supercomputer arbeiten fast ausschließlich mit Linux-basierten Systemen. Sie berechnen Wettermodelle, untersuchen das Klima, unterstützen die medizinische Forschung oder verarbeiten große Datenmengen. Auch bei der Entwicklung und dem Betrieb künstlicher Intelligenz spielt Linux eine zentrale Rolle.

Auf Desktop-Computern und Notebooks ist Linux weiterhin weniger verbreitet als Microsoft Windows oder Apples macOS. Dennoch hat sich die Bedienung in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. Moderne Distributionen bieten grafische Oberflächen, automatische Aktualisierungen und leicht bedienbare Softwareverwaltungen.

Viele alltägliche Aufgaben lassen sich heute problemlos unter Linux erledigen. Nutzer können im Internet surfen, Texte schreiben, Bilder bearbeiten, Videos ansehen oder Spiele ausführen. Besonders beliebt ist das System bei Entwicklern, Technikbegeisterten und Menschen, die mehr Kontrolle über ihren Computer haben möchten. Auch ältere Geräte können von Linux profitieren.

Einige Distributionen benötigen nur wenige Ressourcen und können Computern, die mit aktuellen kommerziellen Betriebssystemen überfordert sind, ein längeres Leben ermöglichen. Damit kann Linux auch zu einem nachhaltigeren Umgang mit Technik beitragen.

35 Jahre GNU/Linux – Fazit

Als Linus Torvalds 1991 sein Hobbyprojekt ankündigte, konnte er dessen spätere Bedeutung kaum vorhersehen. Linux gab Entwicklern eine freie und anpassbare Alternative zu den damals verbreiteten geschlossenen Betriebssystemen. In Verbindung mit den Werkzeugen des GNU-Projekts entstand ein vollständiges System, das von einer weltweiten Gemeinschaft weiterentwickelt werden konnte. 35 Jahre später gehört Linux zu den wichtigsten Grundlagen der digitalen Gesellschaft. Das System arbeitet oft unsichtbar im Hintergrund, hält aber Server, Smartphones, Rechenzentren, Supercomputer und zahlreiche Alltagsgeräte am Laufen. Seine Geschichte zeigt, welche Wirkung offene Zusammenarbeit entfalten kann. Aus dem Projekt eines einzelnen Studenten wurde eine technische Infrastruktur, auf die heute große Teile der vernetzten Welt angewiesen sind.

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Sladjan Lazic

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