Von HTML über XHTML bis HTML5: Die Entwicklung der Sprache des Webs

Die Auszeichnungssprache HTML bildet das Fundament nahezu jeder Website. Die Abkürzung steht für „HyperText Markup Language“ und bezeichnet eine Auszeichnungssprache, mit der Inhalte wie Überschriften, Texte, Bilder, Verweise und Formulare strukturiert werden. Seit den frühen 1990er-Jahren hat sich HTML erheblich weiterentwickelt. Aus einer einfachen Sprache für wissenschaftliche Dokumente wurde eine vielseitige Grundlage für moderne Websites und Webanwendungen. In diesem Blogartikel schreibe ich über die Anfänge von HTML bis zum modernen HTML5.

HTML-Versionen: Die Anfänge von HTML

Mit der schnellen Verbreitung des World Wide Web entstanden unterschiedliche Browser und zahlreiche herstellerspezifische Erweiterungen. Dadurch bestand die Gefahr, dass Webseiten nur in bestimmten Programmen korrekt angezeigt wurden.

HTML 2.0 wurde 1995 als erster formaler HTML-Standard veröffentlicht. Diese Version beschrieb viele Funktionen, die sich zuvor bereits in der Praxis etabliert hatten. Neben grundlegenden Textelementen unterstützte HTML 2.0 auch Formulare. Nutzer konnten damit erstmals Informationen direkt über eine Website eingeben und an einen Server senden.

HTML 2.0 schuf eine gemeinsame Grundlage für Browserhersteller und Webentwickler. Die gestalterischen Möglichkeiten blieben jedoch noch begrenzt.

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HTML 3.2: Mehr Gestaltungsmöglichkeiten

HTML 3.2 erschien 1997 unter der Verantwortung des World Wide Web Consortiums, kurz W3C. Diese Version übernahm zahlreiche Funktionen, die Browserhersteller inzwischen eingeführt hatten.

Zu den wichtigen Neuerungen gehörten:

  • Tabellen zur Darstellung strukturierter Daten
  • eine verbesserte Einbindung von Bildern
  • Skripte und Applets
  • zusätzliche Möglichkeiten zur Formatierung von Texten

Viele Webseiten verwendeten Tabellen allerdings nicht nur für Daten, sondern auch für das gesamte Seitenlayout. Das führte häufig zu kompliziertem und schwer wartbarem Quellcode.

Gleichzeitig wurden Inhalt und Gestaltung immer stärker miteinander vermischt. Schriftarten, Farben und Abstände wurden direkt im HTML-Dokument festgelegt. Diese Entwicklung machte deutlich, dass eine bessere Trennung zwischen Struktur und Design notwendig war.

HTML 4: Struktur und Gestaltung werden getrennt

HTML 4.0 wurde Ende 1997 veröffentlicht. Eine überarbeitete Fassung namens HTML 4.01 folgte 1999. Diese Generation brachte wichtige Verbesserungen für strukturierte, zugängliche und international nutzbare Webseiten.

Besonders bedeutend war die engere Verbindung mit Cascading Style Sheets, kurz CSS. HTML sollte in erster Linie die Bedeutung und Struktur eines Inhalts beschreiben, während CSS für dessen visuelle Gestaltung zuständig war.

Statt beispielsweise Schriftfarben und Größen direkt im HTML-Code festzulegen, konnten Entwickler zentrale CSS-Regeln verwenden. Dadurch ließen sich Gestaltungsvorgaben leichter wiederverwenden und ändern.

HTML 4 verbesserte außerdem:

  • Formulare und Tabellen
  • die Unterstützung verschiedener Sprachen
  • die Barrierefreiheit
  • die Einbindung von Skripten
  • die Trennung von Inhalt, Gestaltung und Verhalten

HTML 4.01 wurde in drei Varianten angeboten. „Strict“ verzichtete weitgehend auf veraltete Darstellungselemente. „Transitional“ erlaubte diese noch, um ältere Webseiten leichter weiterverwenden zu können. „Frameset“ war für Seiten vorgesehen, die mehrere Dokumente mithilfe von Frames kombinierten.

XHTML: HTML nach strengeren XML-Regeln

Nach HTML 4 versuchte das W3C, die Entwicklung des Webs stärker an XML auszurichten. XML ist eine Sprache zur strukturierten Speicherung und Übertragung von Daten. Daraus entstand XHTML, die „Extensible HyperText Markup Language“.

XHTML 1.0 wurde im Jahr 2000 veröffentlicht. Inhaltlich basierte es weitgehend auf HTML 4.01, verlangte aber eine wesentlich strengere Schreibweise. Dokumente mussten korrekt strukturiert und wohlgeformt sein.

Zu den wichtigsten XHTML-Regeln gehörten:

  • Element- und Attributnamen mussten kleingeschrieben werden.
  • Jedes geöffnete Element musste geschlossen werden.
  • Elemente mussten korrekt ineinander verschachtelt sein.
  • Attributwerte mussten in Anführungszeichen stehen.
  • Elemente ohne Inhalt benötigten ebenfalls einen Abschluss.

Ein Zeilenumbruch wurde beispielsweise häufig als <br /> statt als <br> geschrieben. Während Browser viele Fehler in gewöhnlichem HTML großzügig behandelten, sollte XHTML eine eindeutigere und zuverlässigere Verarbeitung ermöglichen.

In der Praxis brachte die strenge XML-Ausrichtung jedoch Schwierigkeiten mit sich. Viele Webseiten wurden zwar im Stil von XHTML geschrieben, aber weiterhin als gewöhnliches HTML ausgeliefert. Echtes XHTML, das mit dem XML-Medientyp übertragen wurde, konnte bei einem einzigen Syntaxfehler vollständig die Anzeige verweigern.

XHTML 2.0 und der Richtungswechsel

Das W3C begann anschließend mit der Entwicklung von XHTML 2.0. Diese geplante Sprache sollte verschiedene ältere Strukturen aufgeben und das Web grundlegend neu ordnen. Sie war jedoch nicht vollständig mit bestehenden Webseiten kompatibel.

Gleichzeitig wollten Browserhersteller das vorhandene Web schrittweise verbessern, anstatt eine neue, inkompatible Sprache einzuführen. Vertreter unter anderem von Apple, Mozilla und Opera gründeten deshalb 2004 die WHATWG, die Web Hypertext Application Technology Working Group.

Die Gruppe arbeitete an einer praxisorientierten Weiterentwicklung von HTML. Der Schwerpunkt lag auf Webanwendungen, Formularen und der Kompatibilität mit bereits vorhandenen Webseiten.

Schließlich übernahm auch das W3C wesentliche Teile dieses Ansatzes. Die Entwicklung von XHTML 2.0 wurde 2009 eingestellt.

Damit war der Weg für HTML5 frei.

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HTML5: Das Web wird zur Anwendungsplattform

HTML5 wurde entwickelt, um den Anforderungen moderner Websites und Webanwendungen gerecht zu werden. Der Standard wurde 2014 vom W3C offiziell als Empfehlung veröffentlicht. Die zugrunde liegende Entwicklung wird durch die WHATWG als fortlaufender „Living Standard“ weitergeführt.

HTML5 vereinfachte zunächst die Grundstruktur eines Dokuments. Die Dokumenttyp-Deklaration lautet seitdem nur noch:

<!DOCTYPE html>

Auch die Zeichenkodierung lässt sich kompakt angeben:

<meta charset="UTF-8">

Eine der wichtigsten Neuerungen waren semantische Elemente. Sie beschreiben nicht nur das Aussehen, sondern auch die Bedeutung eines Seitenbereichs. Beispiele sind <header>, <nav>, <main>, <article>, <section>, <aside> und <footer>.

Dadurch wird der Aufbau einer Webseite verständlicher. Gleichzeitig können Suchmaschinen und Hilfstechnologien wie Screenreader Inhalte besser einordnen.

Multimedia ohne zusätzliche Plugins

Vor HTML5 wurden Videos und Audiodateien häufig über externe Plugins wie Adobe Flash eingebunden. Das führte zu Sicherheitsproblemen, eingeschränkter Geräteunterstützung und zusätzlichen Abhängigkeiten.

HTML5 führte deshalb die Elemente <audio> und <video> ein. Multimediainhalte konnten nun direkt durch den Browser wiedergegeben werden. Das <canvas>-Element ermöglichte außerdem dynamische zweidimensionale Grafiken, Animationen und einfache Spiele.

Zusammen mit JavaScript und CSS entwickelte sich der Browser dadurch zunehmend zu einer Plattform für komplexe Anwendungen.

Verbesserte Formulare und Webanwendungen

HTML5 erweiterte Formulare um neue Eingabetypen wie email, date, number, range und url. Browser können dadurch passende Eingabeoberflächen anzeigen und bestimmte Angaben bereits vor dem Absenden überprüfen.

Auch zahlreiche Browser-Schnittstellen entstanden im Umfeld von HTML5. Sie ermöglichen unter anderem lokale Datenspeicherung, Standortabfragen, Drag-and-drop-Funktionen und die Kommunikation mit Servern.

Nicht jede dieser Schnittstellen gehört im engeren Sinne zur HTML-Spezifikation. Gemeinsam bilden sie jedoch die technische Grundlage moderner Webanwendungen.

HTML heute

HTML ist heute keine abgeschlossene Sprache mit seltenen großen Versionssprüngen mehr. Der WHATWG Living Standard wird kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Funktionen können ergänzt, bestehende Beschreibungen präzisiert und veraltete Verfahren entfernt werden.

Die drei grundlegenden Technologien des Webs erfüllen weiterhin unterschiedliche Aufgaben:

  • HTML strukturiert die Inhalte.
  • CSS bestimmt Darstellung und Layout.
  • JavaScript steuert Verhalten und Interaktivität.

Modernes HTML legt großen Wert auf semantisch sinnvolle Elemente, Barrierefreiheit, Geräteunabhängigkeit und Rückwärtskompatibilität. Alte Webseiten sollen weiterhin funktionieren, während neue Anwendungen aktuelle Möglichkeiten nutzen können.

HTML-Versionen – Fazit

Die Entwicklung von HTML spiegelt die Geschichte des World Wide Web wider. Die ersten HTML-Fassungen dienten hauptsächlich zur Verknüpfung wissenschaftlicher Dokumente. HTML 2.0 und 3.2 standardisierten verbreitete Funktionen und erweiterten die Gestaltungsmöglichkeiten. HTML 4 förderte die Trennung von Inhalt und Design. XHTML versuchte anschließend, strengere XML-Regeln im Web zu etablieren. Obwohl sich dieser Ansatz nicht vollständig durchsetzte, beeinflusste er die Entwicklung sauberer und strukturierter Webseiten. HTML5 verband schließlich Rückwärtskompatibilität mit neuen semantischen, multimedialen und interaktiven Funktionen. Aus einer kleinen Dokumentensprache ist so eine zentrale Grundlage für Websites, mobile Angebote und komplexe Webanwendungen geworden.

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Sladjan Lazic

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