Siri AI in Europa: Apple und EU suchen weiter nach einer Lösung

Apple und die Europäische Union setzen ihre Gespräche über die Einführung der neuen KI-gestützten Siri-Version in Europa fort. Obwohl sich beide Seiten inzwischen auf höchster Ebene austauschen, gibt es bislang keine Einigung darüber, wann und unter welchen Bedingungen die Technologie für Nutzer in der EU verfügbar sein wird.

Wie die Financial Times berichtet, hat Apple-Chef Tim Cook mit der für Digitalpolitik zuständigen EU-Kommissarin Henna Virkkunen über die Situation gesprochen. Nach Angaben eines EU-Sprechers verlief der Austausch konstruktiv. Konkrete Ergebnisse oder Vereinbarungen wurden jedoch nicht bekanntgegeben. Weitere Gespräche sollen folgen.

Streitpunkt Digital Markets Act

Apple hatte bereits auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC angekündigt, die neue KI-Version von Siri zunächst nicht auf iPhones und iPads in der Europäischen Union bereitzustellen. Hintergrund sind Bedenken des Unternehmens hinsichtlich der europäischen Wettbewerbsregeln.

Im Mittelpunkt steht der Digital Markets Act (DMA), der große Technologiekonzerne verpflichtet, konkurrierenden Anbietern einen fairen Zugang zu zentralen Plattformfunktionen zu ermöglichen. Apple sieht darin potenzielle Risiken für Sicherheit und Datenschutz. Verstöße gegen die Verordnung können mit erheblichen Geldbußen geahndet werden, die bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens betragen können.

Apple schlägt technische Sicherheitslösung vor

Um die Anforderungen der EU mit den eigenen Sicherheitsstandards in Einklang zu bringen, hat Apple offenbar eine technische Lösung vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um ein Konzept mit der Bezeichnung „Trusted OS Agent“.

Die geplante Software soll als Vermittlungsschicht zwischen KI-Systemen und dem Betriebssystem fungieren. Ziel ist es, den Zugriff auf sensible Nutzerdaten kontrolliert zu ermöglichen, ohne Drittanbietern vollständige Systemrechte einzuräumen. Nach bisherigen Informationen befindet sich das Konzept allerdings noch in einer frühen Phase. Apple soll die Entwicklung erst starten wollen, wenn die EU-Kommission den Ansatz grundsätzlich akzeptiert.

Wunsch nach mehr Zeit stößt auf Skepsis

Parallel dazu soll Apple bei der EU-Kommission um einen zeitlichen Aufschub gebeten haben. Berichten zufolge wollte das Unternehmen für rund 18 Monate von bestimmten Interoperabilitätsanforderungen des DMA ausgenommen werden, um die technische Lösung entwickeln und implementieren zu können.

Innerhalb der EU stößt dieser Wunsch jedoch offenbar auf Zurückhaltung. Kritiker befürchten, Apple könnte die zusätzliche Zeit nutzen, um seine eigene KI-Plattform zunächst ohne Konkurrenz im eigenen Ökosystem zu etablieren. Aus Sicht der Kommission seien die bisherigen Vorschläge des Konzerns zudem noch zu wenig konkret ausgearbeitet.

Verantwortung für die Verzögerung umstritten

Apple weist den Vorwurf zurück, die Situation bewusst eskalieren zu lassen. Das Unternehmen betont, dass die Verzögerung keine Maßnahme gegen europäische Nutzer sei. Marketingchef Greg Joswiak erklärte zuletzt, man habe versucht, eine solche Entwicklung zu vermeiden.

Die EU-Kommission sieht die Verantwortung dagegen bei Apple. Nach Aussage von Kommissionssprecher Thomas Regnier verbiete der DMA keineswegs die Einführung neuer Produkte oder Funktionen in Europa. Die Entscheidung, Siri AI auf iPhone und iPad vorerst nicht anzubieten, liege allein beim Unternehmen.

Nutzer reagieren zunehmend frustriert

Die Diskussion sorgt inzwischen auch außerhalb von Politik und Wirtschaft für Aufmerksamkeit. Während einige Beobachter die Position der EU unterstützen und auf andere Technologieunternehmen verweisen, die die europäischen Vorgaben erfüllen, wächst auf Nutzerseite die Unzufriedenheit.

Viele europäische Apple-Kunden kritisieren, dass sie bei wichtigen KI-Neuerungen gegenüber anderen Regionen benachteiligt werden. Laut Medienberichten sollen EU-Mitarbeiter im Zusammenhang mit dem Streit sogar zahlreiche Beschwerdemails erhalten haben. Vereinzelt wurde demnach auch von Drohungen gegen Mitarbeiter der Kommission berichtet.

Start auf Mac und Vision Pro geplant

Die neue Siri-Generation soll deutlich leistungsfähiger sein als bisherige Versionen. Apple verspricht eine natürlichere Kommunikation, kontextbezogene Antworten und die Möglichkeit, komplexere Aufgaben selbstständig auszuführen. Damit nähert sich Siri den Fähigkeiten moderner KI-Chatbots an.

Ursprünglich hatte Apple die neue Technologie bereits vor mehreren Jahren angekündigt. Nach technischen Schwierigkeiten und einer umfassenden Überarbeitung wurde der Marktstart jedoch mehrfach verschoben. Die aktuelle Version integriert unter anderem KI-Technologien von Google Gemini und befindet sich derzeit im Betatest.

Während iPhone- und iPad-Nutzer in der EU weiterhin auf eine Freigabe warten müssen, plant Apple die Einführung von Siri AI auf dem Mac sowie auf dem Mixed-Reality-Headset Vision Pro bereits im Herbst. Zum Start wird die Funktion allerdings ausschließlich US-Englisch unterstützen.

Sladjan Lazic

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