KI-Müdigkeit statt Produktivität: Viele Beschäftigte wünschen sich die Arbeitswelt vor ChatGPT zurück

Generative KI sollte den Arbeitsalltag effizienter machen und Fachkräfte von Routineaufgaben entlasten. Doch bei vielen Wissensarbeitern ist von Aufbruchsstimmung kaum noch etwas zu spüren. Stattdessen wächst die Frustration über fehlerhafte Ergebnisse, zusätzlichen Kontrollaufwand und den steigenden Druck, immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten zu müssen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: In Deutschland wünscht sich ein Großteil der Beschäftigten die Zeit vor ChatGPT zurück.

KI verändert den Arbeitsalltag spürbar

Der rasante Fortschritt generativer KI hat zahlreiche Berufe bereits nachhaltig verändert. Besonders betroffen sind klassische Wissensberufe wie Ingenieure, Juristen, Ärzte, Redakteure oder Marketingexperten. Während KI-Unternehmen die Technologie als Produktivitätsschub vermarkten, warnen manche Branchenvertreter vor den langfristigen Folgen. So geht Anthropic-Chef Dario Amodei davon aus, dass leistungsfähige KI-Systeme in den kommenden Jahren Millionen gut bezahlter Arbeitsplätze verdrängen und die Arbeitslosigkeit deutlich erhöhen könnten.

Schon heute verschieben sich Aufgabenbereiche innerhalb vieler Unternehmen. Eine Untersuchung von OpenAI, bei der mehr als 800.000 Nutzeranfragen ausgewertet wurden, deutet darauf hin, dass Beschäftigte – insbesondere in kleineren Unternehmen – zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die ursprünglich nicht zu ihrem eigentlichen Berufsbild gehörten. Auffällig ist diese Entwicklung unter anderem im Kundenservice, im Design, im Personalwesen, im Marketing sowie im Rechtsbereich. Die Veränderungen zeichnen sich den Forschern zufolge bereits in der täglichen Arbeit ab, noch bevor sie sich in Stellenausschreibungen widerspiegeln.

Viele Beschäftigte empfinden KI als Belastung

Die zunehmende Integration von KI in den Berufsalltag stößt bei vielen Mitarbeitern auf Skepsis. Laut einer internationalen Studie des Technologieberatungsunternehmens Adaptavist mit insgesamt 2.500 befragten Wissensarbeitern – darunter 500 aus Deutschland – sehnen sich hierzulande fast drei Viertel nach einer Arbeitswelt ohne generative KI zurück. Besonders deutlich fällt die Ablehnung aus: 41 Prozent der deutschen Teilnehmer würden den Einsatz generativer KI am liebsten vollständig abschaffen.

Als Hauptgrund nennen 45 Prozent die häufig mangelhafte Qualität der KI-Ergebnisse. Statt anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen, müssten Beschäftigte immer häufiger fehlerhafte Inhalte prüfen, korrigieren oder komplett neu erstellen. Dadurch werde die eigene Arbeit als weniger sinnvoll und deutlich repetitiver wahrgenommen. Rund 37 Prozent berichten zudem von einer sinkenden Motivation, während sich ein Viertel der Befragten durch KI in der eigenen Kreativität eingeschränkt fühlt.

Produktivitätsgewinn bleibt häufig aus

Die Hoffnung auf spürbare Zeitersparnis erfüllt sich nach Ansicht vieler Beschäftigter bislang nicht. Im Gegenteil: 39 Prozent der deutschen Wissensarbeiter geben an, inzwischen mehr Zeit für die Kontrolle und Nachbearbeitung von KI-generierten Ergebnissen aufzuwenden, als sie durch deren Nutzung einsparen. Für viele wird KI damit eher zu einer zusätzlichen Arbeitsaufgabe als zu einer echten Entlastung.

Auch die Zusammenarbeit in Teams scheint darunter zu leiden. 42 Prozent der Befragten berichten, dass unzureichende KI-Ergebnisse Projekte verzögern. Knapp jeder Zweite sieht dadurch sogar die Effizienz des gesamten Teams beeinträchtigt. Gleichzeitig wächst in vielen Unternehmen der Erwartungsdruck, mithilfe von KI schneller und produktiver zu arbeiten – unabhängig davon, ob die eingesetzten Werkzeuge tatsächlich einen Mehrwert liefern.

Zwischen Ernüchterung und weiteren Erwartungen

Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer zunehmenden „KI-Müdigkeit“. Viele Beschäftigte fühlen sich von der Technologie eher belastet als unterstützt. Dennoch lehnen sie künstliche Intelligenz nicht grundsätzlich ab. Im Gegenteil: Rund 67 Prozent der Befragten wünschen sich sogar einen stärkeren KI-Einsatz im eigenen Unternehmen – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Systeme zuverlässiger arbeiten und die tägliche Arbeit tatsächlich erleichtern.

Neal Riley, AI Innovation Lead bei der Adaptavist Group, sieht darin einen grundlegenden Zielkonflikt. Unternehmen konzentrierten sich häufig darauf, wie intensiv Mitarbeiter KI nutzen, statt zu untersuchen, welchen tatsächlichen Einfluss die Technologie auf Arbeitsqualität, Motivation und Produktivität habe. Erst wenn diese Auswirkungen konsequent gemessen würden, lasse sich beurteilen, ob KI den versprochenen Nutzen im Arbeitsalltag tatsächlich erfüllt.

Sladjan Lazic

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