KDE wird 30: Vom Unix-Desktop zum vielseitigen Softwareprojekt

1996 wollte Matthias Ettrich Linux und Unix leichter bedienbar machen. Aus seinem Aufruf entstand KDE, ein Open-Source-Projekt, das heute weit über den klassischen Desktop hinausreicht.

Am Anfang stand ein Aufruf: „Programmierer gesucht!“ So warb Matthias Ettrich am 14. Oktober 1996 um Mitstreiter für eine grafische Benutzeroberfläche, die sich ausdrücklich an Endanwender richten sollte. Drei Jahrzehnte später zählt der daraus hervorgegangene Plasma-Desktop zu den bekanntesten Arbeitsumgebungen für Linux und Unix.

Das Jubiläum begleitet die KDE-Community mit Feiern, einem Wettbewerb und einer Spendenaktion. Es bietet zugleich Anlass für einen Rückblick auf ein Projekt, dessen Geschichte von technischen Fortschritten, grundsätzlichen Debatten und einem schwierigen Umbruch geprägt ist.

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Ein Desktop, der den Alltag erleichtern sollte

Mitte der 1990er-Jahre setzte die Arbeit mit Linux häufig technisches Wissen und Geduld voraus. Das X-Window-System stellte zwar grafische Programme dar, doch die verfügbaren Fenstermanager boten nur begrenzt eine einheitliche Bedienung. Anwendungen wirkten oft wie Einzelteile, die Anwender selbst zu einer Arbeitsumgebung zusammensetzen mussten.

Ettrich wollte das ändern. Sein „Kool Desktop Environment“ sollte Programme und Bedienkonzepte unter einer gemeinsamen Oberfläche zusammenführen. Der Name spielte auf das kommerzielle Common Desktop Environment, kurz CDE, an, das damals auf verschiedenen Unix-Systemen eingesetzt wurde.

Als technische Grundlage wählte das Projekt das GUI-Framework Qt des Unternehmens Trolltech.

Damit ließen sich grafische Anwendungen vergleichsweise effizient entwickeln. Die damaligen Lizenzbedingungen sorgten allerdings für Kontroversen in der Open-Source-Gemeinschaft. Die Auseinandersetzung trug auch zur Entstehung des konkurrierenden Gnome-Projekts bei. KDE blieb Qt treu; inzwischen ist das Framework unter anderem unter freien Lizenzen verfügbar.

Frühe Erfolge und ein folgenreicher Neustart

Schon die Vorabversionen fanden Zuspruch, insbesondere im deutschsprachigen Raum. KDE machte Linux im Alltag zugänglicher und bot zahlreiche Möglichkeiten, die Oberfläche an persönliche Vorlieben anzupassen.

1997 entstand KDE e. V., der die Community rechtlich und finanziell unterstützt. Im Jahr darauf erschien die erste stabile KDE-Version. Mit KDE 2 und KDE 3 entwickelte sich die Umgebung weiter und gewann zusätzliche Anwendungen und Funktionen. Auch der kleine Drache Konqi wurde zum vertrauten Gesicht des Projekts: Zunächst trat er als Hilfe-Assistent auf, später etablierte er sich als Maskottchen.

Der nächste große Entwicklungsschritt verlief jedoch holprig. Mit KDE 4 wagte das Projekt 2008 einen tiefgreifenden technischen Umbau. Zum Start fehlten vertraute Funktionen, und zahlreiche Fehler erschwerten den Einsatz. Ein Teil der Nutzer wechselte zu anderen Oberflächen. Andere hielten an KDE 3 fest, dessen Entwicklung im Trinity-Projekt fortgesetzt wurde.

Trotz der Kritik schuf KDE 4 wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung. Die neue Plasma-Oberfläche und Anwendungen wie der Dateimanager Dolphin und der Dokumentenbetrachter Okular waren für die folgenden Jahre prägend.

KDE ist längst mehr als eine Oberfläche

Heute bezeichnet KDE die gesamte Community und ihr Softwareangebot. Der ursprüngliche Name „Kool Desktop Environment“ ist dem Kürzel gewichen.

Das Angebot gliedert sich in mehrere Bereiche: KDE Frameworks stellt Bibliotheken für die Softwareentwicklung bereit. Das Projekt veröffentlicht unter dem Namen KDE Gear zahlreiche Anwendungen. Den Texteditor Kate, den Bildbetrachter Gwenview und das Videoschnittprogramm Kdenlive. Plasma bildet die eigentliche Desktop-Oberfläche.

Auch technisch hat sich das Projekt weiterentwickelt. Moderne Grafiktechnik und die Unterstützung des Anzeigeprotokolls Wayland gehören inzwischen zu seinen zentralen Bausteinen. KDE-Software findet sich zudem auf unterschiedlichen Geräteklassen: Plasma kommt unter anderem im Desktop-Modus des Steam Deck zum Einsatz; weitere Projekte richten sich an Mobilgeräte und Fernsehoberflächen.

Zum Geburtstag wirbt KDE um dauerhafte Unterstützung

Mit dem Jubiläum verbindet KDE e. V. einen Spendenaufruf. Auf der Geburtstagswebsite können Unterstützer einmalige Beiträge leisten oder eine Patenschaft für eine Anwendung übernehmen. Dafür sind regelmäßige Zahlungen im vierteljährlichen oder jährlichen Rhythmus vorgesehen. Als Dank soll der Name des Unterstützers während der Patenschaft auf der Projektwebsite erscheinen.

Zur Auswahl stehen unter anderem Gwenview und Kate. Das zunächst gesetzte Ziel von 1.500 Fördermitgliedern wurde auf 1.996 erhöht, eine Anspielung auf das Gründungsjahr.

Drei Jahrzehnte nach Ettrichs Aufruf steht damit erneut die Beteiligung im Mittelpunkt: Neben Menschen, die Programme entwickeln, übersetzen und testen, braucht KDE auch jene, die diese Arbeit finanziell ermöglichen.

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Sladjan Lazic

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