KI bringt Unternehmensnetzwerke an ihre Grenzen: Viele Firmen müssen aufrüsten

Der rasante Einsatz von Künstlicher Intelligenz erhöht den Druck auf die IT-Infrastruktur deutscher Unternehmen. Laut einer aktuellen Studie des Netzwerkausrüsters Cisco und des Marktforschungsunternehmens Foundry rechnen 67 Prozent der befragten Unternehmen damit, dass ihre Netzwerke innerhalb der kommenden 24 Monate an ihre Leistungsgrenzen stoßen werden. Grund dafür ist vor allem der stark wachsende Datenverkehr, den moderne KI-Anwendungen verursachen.

Nach Einschätzung der Unternehmen sind umfangreiche Modernisierungen unumgänglich. So gaben 84 Prozent der Befragten an, ihre Netzwerkinfrastruktur aufrüsten zu müssen, um mit der zunehmenden Belastung Schritt halten zu können. Die Studie dürfte auch für Cisco selbst von Bedeutung sein, da das Unternehmen Netzwerkhardware wie Switches, Router und WLAN-Zugangspunkte für Firmenkunden anbietet.

KI-Nutzung nimmt deutlich zu

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst angekommen. Der Untersuchung zufolge setzen bereits 36 Prozent der deutschen Firmen generative KI-Anwendungen ein. Agentische KI, bei der Systeme eigenständig Aufgaben ausführen und Entscheidungen treffen, nutzen 32 Prozent. Physische KI-Lösungen wie Robotik kommen derzeit bei 25 Prozent der Unternehmen zum Einsatz.

Gleichzeitig erwarten rund die Hälfte der Befragten, dass die Nutzung von KI innerhalb der nächsten zwei Jahre deutlich zunimmt. Entsprechend prognostiziert die Studie, dass sich der durch KI verursachte Netzwerkverkehr in den kommenden drei Jahren mehr als verdreifachen wird. Besonders stark betroffen dürfte dabei die drahtlose Netzwerkinfrastruktur sein: Rund die Hälfte der Unternehmen sieht den größten Anstieg des Datenverkehrs im WLAN.

Deutschland liegt beim Netzausbau zurück

Im internationalen Vergleich zeigt sich Nachholbedarf. Während weltweit 23 Prozent der Unternehmen ihre Netzwerke bereits als vollständig auf die Anforderungen moderner KI-Anwendungen vorbereitet ansehen, sind es in Deutschland lediglich 16 Prozent.

Cisco weist darauf hin, dass KI-Systeme Netzwerke deutlich stärker belasten als menschliche Nutzer. Agentische KI könne innerhalb weniger Sekunden zahlreiche API-Aufrufe, Datenbankabfragen und Inferenzprozesse auslösen. Solche Lastspitzen seien bei der Entwicklung klassischer Unternehmensnetzwerke kaum berücksichtigt worden.

Zuverlässigkeit wird zum entscheidenden Faktor

Neben der steigenden Datenmenge sorgen auch die technischen Anforderungen von KI-Anwendungen für Herausforderungen. Nach Angaben der befragten Unternehmen reagieren agentenbasierte KI-Workloads besonders empfindlich auf Netzwerkprobleme. 65 Prozent sehen die größte Herausforderung bei der Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Infrastruktur. 64 Prozent nennen eine zu hohe Latenz als Problem, 62 Prozent befürchten Engpässe bei der Bandbreite und 42 Prozent sehen Paketverluste als kritischen Faktor.

Für Unternehmen wird eine leistungsfähige Netzwerkinfrastruktur damit zunehmend zur Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Cisco-Deutschlandchef Uwe Peter betont, dass Netzwerke heute weit mehr seien als reine Datenleitungen. Sie entwickelten sich zunehmend zur zentralen Produktivitätsinfrastruktur moderner Unternehmen und müssten entsprechend ausgebaut werden.

Sladjan Lazic

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