OpenAI baut sein Werbegeschäft rund um ChatGPT aus. Nachdem das Unternehmen Anfang 2026 einen ersten Test in den USA gestartet hatte, sind die Anzeigen inzwischen auch im Vereinigten Königreich, in Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea verfügbar. Betroffen sind erwachsene Nutzer des kostenlosen Angebots sowie des günstigeren Tarifs ChatGPT Go.
Damit hält ein Geschäftsmodell Einzug in den KI-Chatbot, das bei Suchmaschinen und sozialen Netzwerken längst etabliert ist: Wer keinen höheren Abopreis zahlt, erhält einen teilweise werbefinanzierten Zugang. OpenAI begründet den Schritt mit den erheblichen Kosten für den Betrieb und die Weiterentwicklung seiner KI-Systeme.
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Anzeigen erscheinen getrennt von den Antworten
Die Werbung soll nicht unauffällig in die Antworten des Chatbots eingebaut werden. Nach Angaben von OpenAI erscheinen Anzeigen unterhalb einer Antwort, werden als gesponsert gekennzeichnet und optisch vom eigentlichen Chat getrennt.
Werbetreibende sollen zudem keinen Einfluss darauf erhalten, was ChatGPT antwortet. Anzeigen und KI-Modell liefen in getrennten Systemen, erklärt das Unternehmen. Eine Werbeplatzierung bedeute außerdem nicht, dass OpenAI das beworbene Unternehmen oder dessen Produkte empfiehlt.
Die werbefreien Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind von der Einführung bislang nicht betroffen.
Gesprächsinhalte bestimmen die Auswahl
Welche Werbung erscheint, hängt maßgeblich vom jeweiligen Gespräch ab. Das Anzeigensystem berücksichtigt unter anderem das Thema und die vermutete Absicht einer aktuellen Unterhaltung. Sucht ein Nutzer beispielsweise nach Rezepten oder Möglichkeiten zur Essensplanung, könnten Anzeigen für Kochboxen oder Lieferdienste eingeblendet werden.
Auch Angaben aus den Werbemitteln selbst fließen in die Auswahl ein, etwa der Anzeigentext, die Zielseite und vom werbenden Unternehmen festgelegte Kontextinformationen. Kommen mehrere Anzeigen infrage, können neben der erwarteten Relevanz auch die Gebote der Werbekunden die Reihenfolge beeinflussen.
Damit unterscheidet sich Werbung in ChatGPT von klassischen Bannern. Die Anzeigen erscheinen in Situationen, in denen Nutzer häufig bereits nach Lösungen suchen, Produkte vergleichen oder Entscheidungen vorbereiten. Für Unternehmen ist dieser Gesprächskontext potenziell besonders wertvoll.
Frühere Chats können zur Personalisierung beitragen
Aktivieren Nutzer die personalisierte Werbung, darf ChatGPT zusätzliche Signale aus ihrer bisherigen Nutzung berücksichtigen. Dazu können frühere Unterhaltungen, gespeicherte Erinnerungen und vergangene Interaktionen mit Anzeigen gehören.
Die Personalisierung lässt sich in den Einstellungen unter den Anzeigenkontrollen abschalten. In diesem Fall verschwindet die Werbung allerdings nicht. Anzeigen können weiterhin auf Grundlage der gerade geöffneten Unterhaltung ausgewählt werden. Lediglich Informationen aus anderen Chats, dem Anzeigenverlauf oder gespeicherten Themen sollen dann nicht mehr einfließen.
Auch die für Werbezwecke gespeicherten Daten können Nutzer löschen. OpenAI weist darauf hin, dass es bis zu 30 Tage dauern kann, bis diese vollständig von den Systemen entfernt sind. In temporären Chats sollen grundsätzlich keine Anzeigen erscheinen. OpenAI-Hilfecenter zu Werbung, Personalisierung und Datenschutz
Werbekunden sollen keine Chats erhalten
OpenAI versichert, Unterhaltungen und persönliche Informationen nicht an Werbepartner weiterzugeben. Unternehmen sollen weder Chats und Erinnerungen noch Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen oder genaue Standortdaten einsehen können.
Zur Erfolgsmessung erhalten Werbekunden jedoch zusammengefasste Daten. Dazu gehören beispielsweise die Zahl der Aufrufe und Klicks auf eine Anzeige. Diese Berichte sollen keine Identifizierung einzelner Nutzer ermöglichen.
Eine Ausnahme entsteht, wenn ein Nutzer über eine Anzeige direkt Kontakt zu einem Unternehmen aufnimmt. In diesem Fall sieht der Werbepartner jene Nachrichten, die ihm ausdrücklich geschickt werden, nicht jedoch die übrige Unterhaltung mit ChatGPT.
Keine Anzeigen für Minderjährige und sensible Gespräche
Accounts, die Personen unter 18 Jahren zugeordnet werden, sollen keine Werbung erhalten. Für die Alterseinschätzung verwendet OpenAI nach eigenen Angaben sowohl Kontoinformationen als auch Prognoseverfahren. Dabei können unter anderem das angegebene Alter, die bisherige Dauer der Kontonutzung, typische Nutzungszeiten und allgemeine Gesprächsthemen eine Rolle spielen.
Neben Minderjährigen will das Unternehmen auch besonders sensible Gesprächssituationen schützen. Anzeigen sollen nicht in der Nähe von Unterhaltungen über persönliche Gesundheit, psychische Probleme oder Politik erscheinen. Politische Werbung ist nach Angaben von OpenAI derzeit grundsätzlich nicht zugelassen.
Werbefreie Gratisvariante mit Einschränkungen
Nutzer des kostenlosen ChatGPT-Angebots sollen sich auch gegen Anzeigen entscheiden können. Dafür bietet OpenAI in den betroffenen Regionen eine werbefreie Variante an, die allerdings mit niedrigeren Nutzungslimits verbunden ist. Außerdem können Funktionen wie die Bilderzeugung oder die ausführliche Recherche entfallen.
Wer ChatGPT ohne Werbung und ohne diese zusätzlichen Einschränkungen verwenden möchte, muss auf einen höheren kostenpflichtigen Tarif wie Plus oder Pro wechseln. Für ChatGPT Go steht die kostenlose werbefreie Option nicht zur Verfügung.
OpenAI sucht nach zusätzlichen Einnahmequellen
Die Ausweitung des Werbetests zeigt, dass OpenAI sein Geschäftsmodell breiter aufstellen will. Der Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle verursacht erhebliche Kosten für Rechenzentren, Chips, Energie und Entwicklung. Abonnements und Unternehmensangebote reichen offenbar nicht aus, um das schnell wachsende Angebot allein zu finanzieren.
Werbung eröffnet OpenAI einen zusätzlichen Erlöskanal und verschiebt zugleich die wirtschaftliche Bedeutung persönlicher Gespräche. ChatGPT wird damit nicht nur zum digitalen Assistenten, sondern auch zu einem Umfeld, in dem konkrete Interessen und Entscheidungsabsichten kommerziell genutzt werden können.
OpenAI verspricht eine klare Trennung zwischen KI-Antwort und Reklame sowie weitreichende Kontrollmöglichkeiten für Nutzer. Ob diese Abgrenzung im Alltag als ausreichend empfunden wird, dürfte entscheidend dafür sein, wie breit das Unternehmen das Werbemodell künftig ausrollen kann.
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