Die Open-Source-Bürosuite openDesk hat sich in einem umfangreichen Praxistest als leistungsfähiger Notfallarbeitsplatz für kritische Behörden erwiesen. Die Deutsche Rentenversicherung und die Bundesagentur für Arbeit bescheinigen der Microsoft-365-Alternative nach einer gemeinsamen Krisenübung ihre Eignung für den Einsatz im Ernstfall. Das Projekt soll nun auch Impulse für eine europäische Cloud-Infrastruktur liefern.
Krisensichere Kommunikation unabhängig von der Haupt-IT
Im Mittelpunkt des Anfang des Jahres gestarteten Projekts „Cloudbasierte Kommunikation für kritische Infrastrukturen“ (CKKI) stand die Entwicklung eines vollständig funktionsfähigen Notfallarbeitsplatzes, der unabhängig von der regulären IT-Landschaft betrieben werden kann. Neben der Deutschen Rentenversicherung und der Bundesagentur für Arbeit beteiligten sich auch die IT-Dienstleister Bitmarck und BG-Phoenics.
Für die Tests richteten alle Projektpartner jeweils eigene openDesk-Instanzen auf unterschiedlichen Cloud-Plattformen ein. Anschließend wurde in verschiedenen Krisenszenarien überprüft, ob die Systeme auch dann zuverlässig zusammenarbeiten, wenn sie auf unterschiedlichen Cloud-Infrastrukturen betrieben werden. Dabei kamen unter anderem die Angebote von Ionos, Stackit und T-Systems zum Einsatz.
Positive Ergebnisse unter realistischen Bedingungen
Die Testreihen orientierten sich an realitätsnahen Business-Continuity-Management-Szenarien. Dabei wurden die zentralen openDesk-Komponenten für Dateiverwaltung, E-Mail, Chat und Videokonferenzen intensiv geprüft. Nach Angaben der Projektpartner funktionierten sämtliche Dienste zuverlässig und erwiesen sich als krisentauglich.
Erfolgreich verlief zudem die Migration einer kompletten openDesk-Installation zwischen zwei verschiedenen Cloud-Plattformen. Damit konnte gezeigt werden, dass die Lösung flexibel zwischen unterschiedlichen Anbietern verschoben werden kann – ein wichtiger Baustein für digitale Unabhängigkeit und Ausfallsicherheit.
Matthias Flügge, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, sieht darin einen wichtigen Schritt für die öffentliche Verwaltung. Gerade Organisationen mit sensiblen Daten müssten sicherstellen, dass Kommunikation und Arbeitsfähigkeit auch bei Ausfällen oder Krisen erhalten bleiben. Das Projekt habe gezeigt, dass leistungsfähige Open-Source-Lösungen hierfür eine ernstzunehmende Alternative darstellen.
Beitrag zur europäischen Cloud-Souveränität
Die Erkenntnisse aus dem CKKI-Projekt sollen nun in die europäische 8ra-Initiative einfließen. Ziel des Vorhabens ist der Aufbau einer sicheren und souveränen Cloud- und Edge-Infrastruktur in Europa, in der verschiedene Anbieter interoperabel zusammenarbeiten können.
Für Ende August ist ein öffentlicher Konsultationsprozess geplant, an dem Behörden und weitere Akteure teilnehmen sollen. Dabei wird unter anderem geprüft, wie sich openDesk künftig als standardisierter Notfallarbeitsplatz in größerem Umfang einsetzen lässt.
Open-Source-Alternative zu Microsoft 365
Entwickelt wird openDesk vom Zentrum für digitale Souveränität (ZenDiS), einer bundeseigenen Einrichtung. Die browserbasierte Software-Suite bündelt verschiedene etablierte Open-Source-Anwendungen zu einer Komplettlösung für Büroarbeit, Kommunikation und Zusammenarbeit. Zum Funktionsumfang gehören unter anderem Textverarbeitung, E-Mail, Kalender, Projektmanagement sowie Chat- und Videokonferenzdienste.
Nach Angaben des ZenDiS arbeiten inzwischen mehr als 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze mit openDesk. International gewinnt die Lösung ebenfalls an Bedeutung: So hatte zuletzt das Schweizer Militär angekündigt, seine Cybersicherheitsabteilungen künftig mit openDesk statt Microsoft 365 auszustatten.
Nutzung in Bundesbehörden bleibt überschaubar
Trotz der positiven Entwicklungen ist die Verbreitung von openDesk innerhalb der Bundesverwaltung bislang noch vergleichsweise gering. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage geht hervor, dass derzeit insgesamt 8.756 Lizenzen in Bundesbehörden genutzt werden.
Der überwiegende Teil entfällt mit 7.904 Lizenzen auf das Robert Koch-Institut im Rahmen des Projekts Agora für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Weitere Installationen finden sich unter anderem im Bundesministerium für Digitales, im Auswärtigen Amt sowie beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
Mit dem erfolgreichen Krisentest erhält openDesk nun zusätzlichen Rückenwind. Ob die Open-Source-Plattform künftig eine größere Rolle in der deutschen Verwaltung spielt, dürfte auch davon abhängen, wie konsequent Bund und Länder ihre Strategie zur digitalen Souveränität weiterverfolgen.
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