KI-Offensive verschärft Stellenabbau in der Tech-Branche

Technologieunternehmen investieren Milliarden in künstliche Intelligenz und reduzieren gleichzeitig ihre Belegschaften. Im Silicon Valley übersteigt die Zahl der angekündigten Entlassungen 2026 bereits deutlich das Niveau des gesamten Vorjahres.

Die weltweite Neuordnung der Technologiebranche trifft zunehmend den Arbeitsmarkt. Während Konzerne ihre Ausgaben für künstliche Intelligenz und die dafür notwendige Infrastruktur erhöhen, werden an anderer Stelle Kosten gesenkt und Arbeitsplätze gestrichen. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der Bay Area rund um San Francisco und San José.

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Meta führt die Liste der Stellenstreichungen an

Bis Anfang September kündigten Technologieunternehmen dort den Abbau von insgesamt 12.947 Stellen an. Das geht aus Pflichtmitteilungen an die kalifornische Arbeitsmarktbehörde hervor. Nach Berechnungen der Zeitung The Mercury News liegt die Zahl damit bereits etwa 27 Prozent über dem Gesamtwert des Jahres 2025, als 10.170 Entlassungen gemeldet wurden.

Den größten Anteil an den angekündigten Kürzungen in der Region hat Meta. Der Konzern will in der Bay Area 3.715 Arbeitsplätze abbauen. Die Maßnahme ist Teil eines weltweiten Sparprogramms, das etwa zehn Prozent der Belegschaft betreffen soll. Mit den Einsparungen möchte Meta zusätzlichen finanziellen Spielraum für seine kostspielige KI-Strategie schaffen.

Auch andere große Arbeitgeber reduzieren ihre Belegschaften im Silicon Valley. Amazon plant den Abbau von 917 Stellen, Cisco Systems will 706 Arbeitsplätze streichen und Oracle meldete 652 wegfallende Positionen. Weitere Kürzungen betreffen unter anderem LinkedIn, Intuit, eBay, den Elektroautohersteller Lucid sowie die Konzerne Walmart und Visa.

Der Zahlungsdienstleister PayPal kündigte zuletzt an, an seinem Hauptsitz in San José 251 Arbeitsplätze dauerhaft aufzulösen.

Entlassungswelle reicht weit über das Silicon Valley hinaus

Die Entwicklung in Kalifornien ist Teil eines internationalen Trends. Nach Daten des Branchendienstes TrueUp gingen 2025 weltweit mehr als 245.000 Arbeitsplätze im Technologiesektor verloren. Für 2026 wurden demnach bereits mehr als 180.000 Entlassungen registriert.

Besonders umfangreich fiel der Personalabbau bei Oracle aus. Aus dem jüngsten Finanzbericht des Unternehmens geht hervor, dass der Softwarekonzern innerhalb von zwölf Monaten weltweit rund 21.000 Stellen gestrichen hat. Das entspricht etwa 13 Prozent der Belegschaft.

Oracle führt die Einsparungen unter anderem auf den Einsatz und die zunehmende Skalierung von KI-Technologien zurück. Gleichzeitig erfordern Rechenzentren, Chips und weitere technische Infrastruktur hohe Investitionen. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, ihre KI-Pläne zu finanzieren, ohne die Profitabilität aus den Augen zu verlieren.

KI ist nicht immer der einzige Grund

Nach Angaben eines Portals, das Entlassungen in der Technologiebranche erfasst, wurden inzwischen mehr als 92.000 Stellenstreichungen von Unternehmen oder Medien unmittelbar mit künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht.

Die Ursachen unterscheiden sich jedoch. In einigen Fällen automatisieren KI-Systeme Aufgaben, die zuvor von Beschäftigten übernommen wurden. Andere Unternehmen verlagern ihre Budgets vom Personalaufwand in die technische Infrastruktur. Hinzu kommen organisatorische Veränderungen und ein wachsender Wettbewerbsdruck durch neue KI-Produkte.

Die Zahlen sollten deshalb nicht ausschließlich als direkter Ersatz menschlicher Arbeit durch Software verstanden werden. Der KI-Boom wirkt vielmehr als Beschleuniger eines umfassenderen Konzernumbaus.

Wie weit dieser Umbau reichen kann, zeigen die Beispiele Dell und Block. Dell strich rund 11.000 Stellen. Der Zahlungsdienstleister Block reduzierte seine Belegschaft den vorliegenden Angaben zufolge um etwa 40 Prozent.

Kapital fließt von Personal in KI-Systeme

Auch kleinere und mittelgroße Softwareunternehmen richten ihre Geschäftsmodelle neu aus. Anbieter wie Wix, Monday.com, Webflow und ClickUp bauen Personal ab und investieren zugleich verstärkt in generative KI und sogenannte autonome Agenten.

Beim Cloud-Softwareanbieter Freshworks soll die Unternehmensführung intern erklärt haben, dass inzwischen mehr als die Hälfte des firmeneigenen Programmcodes mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt werde. Dadurch verändere sich der Personalbedarf in der Softwareentwicklung, der Qualitätssicherung und im Vertrieb.

Allerdings verschwinden nicht nur technische Tätigkeiten. Viele Konzerne nutzen die aktuelle Umbruchphase auch dazu, Managementstrukturen zu verkleinern und interne Abläufe zu vereinfachen. Uber kündigte den Abbau von 3.300 Stellen an, um Hierarchieebenen zu reduzieren. Microsoft strich weitere 4.800 Arbeitsplätze, von denen insbesondere die Xbox-Sparte betroffen war.

Beschäftigte fordern besseren Schutz

Die wiederkehrenden Entlassungsrunden sorgen für wachsende Verunsicherung unter den Beschäftigten. Tausende Google-Mitarbeiter unterstützten eine Petition, in der sie verlässlichere Schutzmaßnahmen verlangen. Vor betriebsbedingten Kündigungen sollen Unternehmen demnach zunächst freiwillige Abfindungs- und Austrittsprogramme anbieten.

Auch die Politik reagiert. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom brachte mehrere Maßnahmen auf den Weg, mit denen die Folgen künstlicher Intelligenz für den Arbeitsmarkt untersucht und begleitet werden sollen. Geplant sind unter anderem Bildungs- und Weiterbildungsangebote für Arbeitssuchende.

Der KI-Boom hat eine arbeitsmarktpolitische Kehrseite

Der Wettlauf um künstliche Intelligenz verändert die Prioritäten der Technologieunternehmen. Kapital, das bislang in große Teams und etablierte Geschäftsbereiche floss, wird zunehmend für Rechenzentren, KI-Modelle und Automatisierung eingesetzt.

Ob dadurch langfristig mehr Arbeitsplätze entstehen als verloren gehen, lässt sich derzeit kaum verlässlich abschätzen. Schon jetzt wird jedoch sichtbar, dass die Transformation nicht nur technische und wirtschaftliche Folgen hat. Sie stellt auch Politik, Unternehmen und Beschäftigte vor die Frage, wie der Übergang in eine stärker automatisierte Arbeitswelt sozial gestaltet werden kann.

Sladjan Lazic

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