Für zwei geplante Google-Rechenzentren im Norden Finnlands soll das Tochterunternehmen Tuike Finland die Rodungs- und Erdarbeiten einstellen. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde muss zunächst die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen werden. Naturschützer hatten bereits im September mögliche Rechtsverstöße kritisiert.
Googles Ausbau seiner Rechenzentrumsinfrastruktur in Finnland stößt auf umweltrechtliche Hindernisse. Die zuständige Aufsichtsbehörde LVV hat das Tochterunternehmen Tuike Finland aufgefordert, umweltverändernde Arbeiten an zwei Standorten zu stoppen. Betroffen sind unter anderem Baumfällungen, Erdarbeiten und Sprengungen.
Naturschutzverband hatte frühzeitig gewarnt
Laut einer Mitteilung der Behörde müssen die Arbeiten spätestens bis zum 23. Oktober eingestellt werden. Bereits bis zum 14. Oktober soll das Unternehmen schriftlich erklären, ob es der Aufforderung nachkommt. Andernfalls erwägt die LVV ein förmliches Zwangsverfahren, gegebenenfalls verbunden mit einem Zwangsgeld.
Nach einem Bericht der Helsinki Times hat Google inzwischen zugesichert, der Aufforderung zu folgen. Das Unternehmen erklärte demnach, in gutem Glauben gehandelt zu haben. Zudem kündigte es an, in Muhos auf einer Fläche von 130 Hektar Bäume zu pflanzen.
Die betroffenen Projekte liegen bei den nordfinnischen Gemeinden Muhos und Kajaani. Berichten zufolge umfasst das Gelände in Muhos mehr als 300 Hektar, das Areal bei Kajaani knapp 200 Hektar.
Die größte finnische Naturschutzorganisation Suomen luonnonsuojeluliitto (SLL) hatte bereits Mitte September Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Arbeiten geäußert. Nach ihrer Darstellung ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung gesetzlich vorgeschrieben, wenn auf mehr als 200 Hektar Wald dauerhaft gerodet wird.
Bei dem Projekt in Muhos sei diese Schwelle überschritten, erklärte der Verband. Auch bei Kajaani könnte die betroffene Fläche über dem Grenzwert liegen. Die Organisation warf den Verantwortlichen damals entweder „grobe Inkompetenz“ oder eine „eklatante Missachtung“ der gesetzlichen Vorgaben vor.
Die Aufsichtsbehörde formuliert ihre Kritik zurückhaltender. Mit ihrer Aufforderung macht sie jedoch deutlich, dass die umweltverändernden Arbeiten gestoppt werden sollen, bis die notwendige Prüfung abgeschlossen ist.
Milliardeninvestitionen in Finnlands digitale Infrastruktur
Die Auseinandersetzung betrifft einen Teil von Googles umfangreichen Ausbauplänen in Finnland. Anfang September hatte der US-Konzern angekündigt, innerhalb von zwei Jahren mindestens 13 Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur des Landes zu investieren. Dazu gehören drei neue Rechenzentrumsprojekte im Norden.
Für Finnland sprechen aus Sicht des Unternehmens unter anderem das kühle Klima, ein stabiles Stromnetz und die geringe Bevölkerungsdichte. Rechenzentren benötigen große Flächen und erhebliche Mengen Strom; je nach Kühlsystem kommt ein hoher Wasserbedarf hinzu. Niedrige Außentemperaturen können den Aufwand für die Kühlung der Server reduzieren. Google hat außerdem einen langfristigen Abnahmevertrag für Strom aus Kernenergie geschlossen.
Welche Folgen die angeordnete Unterbrechung für den Zeitplan der beiden Projekte haben wird, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Zunächst muss Tuike Finland gegenüber der Behörde verbindlich erklären, wie das Unternehmen deren Aufforderung umsetzt.
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