OpenAI berichtet von 948 Linux-Schwachstellen mit Root-Zugriff

KI-Agenten sollen bei internen Tests nicht nur Sicherheitslücken aufgespürt, sondern auch Exploits und passende Patches entwickelt haben. Die Ergebnisse könnten zeigen, wie sich die Absicherung von Software beschleunigen lässt. Unklar bleibt allerdings, welche Linux-Distribution untersucht wurde.

OpenAI hat nach eigenen Angaben eine automatisierte Pipeline aus KI-Agenten getestet, die Sicherheitslücken in einem Linux-System finden und beheben soll. Bei der Untersuchung einer nicht näher benannten, weitverbreiteten Desktop-Distribution habe der Prototyp 948 Schwachstellen identifiziert, über die Angreifer Root-Rechte erlangen könnten. Damit wäre eine weitreichende Kontrolle über betroffene Systeme möglich.

Die Ergebnisse stammen aus internen Tests des Unternehmens. Zum Einsatz kam laut OpenAI ein neues „Cyber-Modell“. Welche Distribution und welche konkrete Systemversion untersucht wurden, teilte das Unternehmen nicht mit. Nach seinen Angaben befand sich das System in der Standardkonfiguration.

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Von der verdächtigen Codestelle zum Patch

Die Pipeline arbeitet in mehreren Schritten. Zunächst untersuchen KI-Agenten sicherheitsrelevante Komponenten des Linux-Kernels auf mögliche Fehler. Anschließend versuchen sie, die gemeldeten Schwachstellen in einer isolierten Umgebung zu reproduzieren.

Bei einem Testlauf Mitte Oktober lieferte das System laut OpenAI zunächst 2.308 potenzielle Funde. Davon ließen sich 1.724 reproduzieren. Für mehr als 1.200 Schwachstellen habe die Pipeline sowohl einen Demonstrations-Exploit als auch einen Patch erstellt. Menschliche Sicherheitsforscher hätten die Ergebnisse anschließend überprüft.

OpenAI ordnet 948 der gemeldeten Lücken als Schwachstellen ein, die eine Ausweitung von Berechtigungen bis hin zum Root-Zugriff ermöglichen. Weitere 291 Funde betreffen demnach mögliche Informationslecks.

Aus diesen Angaben geht nicht hervor, ob für sämtliche Patches bereits eine unabhängige Prüfung oder eine Übernahme in die betroffenen Projekte erfolgt ist. Ein entwickelter Patch bedeutet daher noch nicht, dass gefährdete Systeme durch ein verfügbares Update geschützt sind.

API-Kosten von mehr als einer Million US-Dollar

Für die Suche fielen nach Unternehmensangaben API-Kosten von etwas mehr als 1,3 Millionen US-Dollar an. OpenAI stellt diesen Ausgaben mögliche Prämien gegenüber, wie sie bei Sicherheitswettbewerben ausgeschüttet werden.

Bei angenommenen Belohnungen von 20.000 bis 70.000 US-Dollar pro vergleichbarem Exploit ergibt sich für die 948 Root-Schwachstellen rechnerisch ein Betrag von rund 19 bis 66 Millionen US-Dollar.

Diese Summe ist allerdings ein theoretischer Vergleich und kein tatsächlich erzielter Erlös. Ob ein Fund für eine Prämie infrage kommt und wie hoch diese ausfällt, hängt unter anderem von den Regeln des jeweiligen Programms ab. Zudem bilden API-Kosten allein nicht den gesamten Aufwand für Entwicklung, Infrastruktur und menschliche Überprüfung ab.

Auch ein gehärteter Kernel war angreifbar

In einem weiteren Szenario untersuchte OpenAI einen nach KernelCTF-Vorgaben gehärteten Linux-Kernel. Dabei habe die Pipeline 46 Sicherheitslücken gefunden: 25 hätten den Zugriff auf geschützte Daten ermöglicht, 21 eine Ausweitung von Berechtigungen.

Die API-Kosten für diesen Test beziffert das Unternehmen auf knapp 33.000 US-Dollar. Als potenziell erreichbare Bug-Bounty-Prämien nennt es etwa 1,5 Millionen US-Dollar. Auch hierbei handelt es sich um eine Modellrechnung.

Automatisierte Reparaturen sollen Entwickler entlasten

Der Ansatz geht über die reine Suche nach Softwarefehlern hinaus. Denn zusätzliche Schwachstellenmeldungen erhöhen zunächst auch den Arbeitsaufwand für die betroffenen Projekte: Entwickler müssen die Funde prüfen, Korrekturen erarbeiten und sicherstellen, dass diese keine neuen Fehler verursachen.

OpenAI will deshalb auch die Reparatur stärker automatisieren. Wenn KI-Systeme zusammen mit einer nachvollziehbaren Fehlerbeschreibung bereits einen geeigneten Patch liefern, könnte sich die Zeit zwischen Entdeckung und Behebung verkürzen.

Ob das im großen Maßstab gelingt, hängt jedoch von der Qualität der Ergebnisse ab. Entscheidend ist, ob die vorgeschlagenen Änderungen die Ursache einer Schwachstelle zuverlässig beseitigen und sich in die betroffene Software integrieren lassen.

Die gemeldeten Tests liefern damit einen Hinweis auf das Potenzial autonomer Sicherheitswerkzeuge. Wie belastbar die Ergebnisse sind und welchen praktischen Nutzen sie für Linux-Anwender haben, lässt sich ohne nähere Angaben zum untersuchten System und zum Veröffentlichungsstand der Korrekturen noch nicht abschließend beurteilen.

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Sladjan Lazic

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