IT-Arbeitsmarkt unter Druck: Stellenangebot sinkt, Arbeitslosigkeit nimmt zu

Die anhaltende Wirtschaftsschwäche erreicht zunehmend den deutschen IT-Arbeitsmarkt. Unternehmen schreiben weniger Stellen aus, während die Zahl arbeitsloser Fachkräfte steigt. Langfristig bleiben die Aussichten für qualifizierte Spezialisten dennoch vergleichsweise gut.

Nach Angaben des aktuellen Ingenieurmonitors des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) waren zuletzt 58.392 Menschen in Ingenieur- und IT-Berufen arbeitslos, der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 16,7 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der offenen Stellen um 18,2 Prozent zurück. Mit 96.760 Ausschreibungen liegt sie nach Einschätzung des VDI jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau.

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Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück

Besonders deutlich zeigt sich die Abkühlung bei Informatikberufen: Hier sank das Stellenangebot um rund ein Drittel. Im Bauingenieurwesen fiel der Rückgang mit 3,8 Prozent wesentlich geringer aus. Auch regional entwickelt sich der Markt unterschiedlich. In Bayern und Baden-Württemberg schrumpfte die Nachfrage nach IT- und Ingenieurfachkräften besonders stark. Der VDI führt dies unter anderem auf die große Bedeutung der derzeit belasteten Automobilindustrie in beiden Ländern zurück.

Trotz der schwächeren Nachfrage warnt der Verband vor voreiligen Schlussfolgerungen. Unternehmen hielten sich angesichts der konjunkturellen Unsicherheit mit Investitionen und Neueinstellungen zurück, erklärte VDI-Direktor Adrian Willig. Digitalisierung, Infrastrukturmodernisierung und Energiewende würden aber langfristig weiterhin zahlreiche technische Fachkräfte erfordern. Wer jetzt bei Ausbildung, Qualifizierung und Nachwuchsförderung spare, riskiere bei einer wirtschaftlichen Erholung neue Personalengpässe.

Softwareentwicklung besonders betroffen

Auch Daten der Jobportale bestätigen den negativen Trend. Nach Auswertung von Indeed liegt der deutsche Stellenmarkt nur noch knapp über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Besonders stark ist der Rückgang in der Softwareentwicklung: Dort erreicht die Zahl der Ausschreibungen nur noch ungefähr die Hälfte des damaligen Wertes. Auch in den Bereichen Anwendungen und Lösungen sowie Infrastruktur und Support ging das Angebot deutlich zurück.

Der Personaldienstleister Hays meldet ebenfalls eine sinkende Fachkräftenachfrage. Im zweiten Quartal wurden in allen untersuchten Berufsgruppen weniger Stellen ausgeschrieben als in den ersten drei Monaten des Jahres. Überdurchschnittlich betroffen waren IT-Fachkräfte, darunter IT-Security-Spezialisten, Berater und Entwickler.

Eine Ausnahme bilden Datenbankentwickler, deren Nachfrage leicht zunahm. Hays-Manager Andreas Sauer wertet dies als strategisches Signal: Unternehmen müssten zunächst belastbare Datenstrukturen schaffen, bevor sie künstliche Intelligenz produktiv einsetzen könnten.

Spezialisten bleiben gefragt

Auch die Bundesagentur für Arbeit registriert eine Eintrübung. Im Jahr 2025 waren dort rund 13.000 Stellen für IT-Berufe gemeldet, 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote in Informations- und Kommunikationstechnikberufen von 3,7 auf 4,5 Prozent.
Von einem langfristigen Beschäftigungsabbau kann dennoch keine Rede sein. 2025 arbeiteten in Deutschland 1,15 Millionen IKT-Fachkräfte sozialversicherungspflichtig, zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Behördenchefin Andrea Nahles sieht deshalb neben der konjunkturellen Schwäche auch einen Strukturwandel: Akademisierung, Spezialisierung und steigende Anforderungen prägen den Markt. Besonders Experten bleiben begehrt. Ihre Arbeitslosenquote liegt mit 3,5 Prozent weiterhin niedrig.

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Sladjan Lazic

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