Bundesbank wirbt für gemeinsame Lösung aus Wero und digitalem Euro

Europa soll im digitalen Zahlungsverkehr weniger abhängig von amerikanischen Unternehmen werden. Nach Ansicht der Bundesbank könnten die Bezahllösung Wero und der geplante digitale Euro dabei gemeinsam eine wichtige Rolle übernehmen.

Die Deutsche Bundesbank spricht sich für eine enge technische Verbindung zwischen Wero und dem digitalen Euro aus. Bundesbank-Vorstand Lutz Lienenkämper brachte bei einem Zahlungsverkehrssymposium in Frankfurt eine Integration des digitalen Zentralbankgeldes in die Wero-App ins Gespräch.

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Wero soll europäische Alternative zu PayPal werden

Eine solche Verknüpfung könnte nach seiner Einschätzung dafür sorgen, dass europäische Zahlungsangebote mehr Menschen erreichen. Gleichzeitig ließe sich verhindern, dass mehrere Systeme unabhängig voneinander entwickelt werden und später miteinander konkurrieren. Stattdessen könnten sich die Angebote ergänzen und innerhalb einer gemeinsamen Infrastruktur genutzt werden.

Hinter Wero steht die European Payments Initiative, kurz EPI. In diesem Zusammenschluss arbeiten europäische Banken und Zahlungsdienstleister an einer eigenen Lösung für digitale Zahlungen. Ziel ist es, eine Alternative zu etablierten Anbietern aus den USA zu schaffen.

Wero startete Anfang Juli 2024 zunächst mit direkten Geldüberweisungen zwischen Privatpersonen. Nutzer können damit über das Smartphone Geld an Freunde oder Familienmitglieder senden. Das Prinzip ähnelt Funktionen, die auch PayPal und verschiedene Banking-Apps anbieten.

Inzwischen wurde das Angebot erweitert. Bei mehreren Onlinehändlern können Kunden ihre Einkäufe bereits mit Wero bezahlen. Damit tritt der Dienst zunehmend gegen Kreditkarten sowie Bezahlsysteme wie Apple Pay, Google Pay und PayPal an.

Nach aktuellen Angaben sind in Deutschland, Frankreich und Belgien zusammen rund 57 Millionen Menschen für Wero registriert. Eine Ausweitung auf die Niederlande, Luxemburg und Österreich wird vorbereitet.

Bundesbank sieht weiteren Handlungsbedarf

Trotz der bisherigen Nutzerzahlen steht Wero nach Einschätzung der Bundesbank noch am Anfang. Auch auf dem deutschen Markt habe der Dienst seine Möglichkeiten bislang nicht vollständig ausgeschöpft, erklärte Lienenkämper. Der weitere Aufbau müsse daher entschlossen vorangetrieben werden.

Entscheidend für den Erfolg dürfte sein, ob ausreichend Banken und Händler das System unterstützen. Verbraucher greifen bei digitalen Zahlungen meist auf Angebote zurück, die an möglichst vielen Stellen verfügbar sind und sich ohne zusätzliche Hürden verwenden lassen. Eine große Zahl registrierter Konten allein garantiert deshalb noch keine regelmäßige Nutzung.

Die geplante Verknüpfung mit dem digitalen Euro könnte Wero zusätzliche Bedeutung verschaffen. Die App könnte dabei als Wallet dienen, über die Verbraucher sowohl klassische Bankzahlungen als auch digitales Zentralbankgeld verwalten.

EZB plant digitalen Euro für 2029

Parallel zur Entwicklung von Wero arbeiten die Europäische Zentralbank und die nationalen Notenbanken seit mehreren Jahren an einem digitalen Euro. Seine Einführung wird derzeit für 2029 angestrebt.

Der digitale Euro soll eine elektronische Form des gesetzlichen Zahlungsmittels werden. Anders als Guthaben auf einem gewöhnlichen Bankkonto würde er direkt von den Zentralbanken des Euroraums ausgegeben. Er wäre damit digitales Zentralbankgeld und nicht die Forderung eines Kunden gegenüber einer Geschäftsbank oder einem privaten Zahlungsdienstleister.

Die europäischen Notenbanken wollen damit auf die wachsende Bedeutung digitaler Bezahlverfahren reagieren. Der europäische Markt wird in diesem Bereich stark von Unternehmen wie PayPal, Mastercard und Visa geprägt. Auch die Smartphone-Bezahldienste Apple Pay und Google Pay stammen aus den USA.

Aus Sicht der Befürworter könnte ein digitales europäisches Zahlungsmittel die Abhängigkeit von diesen Anbietern verringern. Europa würde eine eigene Infrastruktur erhalten, die auch bei wirtschaftlichen oder politischen Konflikten zur Verfügung stünde.

Kritik an Kosten und möglicher Doppelstruktur

Das Vorhaben ist allerdings umstritten. Kritiker stellen infrage, ob neben privaten europäischen Angeboten wie Wero tatsächlich ein zusätzliches digitales Zahlungsmittel benötigt wird. Sie verweisen auf die Entwicklungskosten und warnen vor parallelen Systemen, deren Aufgaben sich teilweise überschneiden könnten.

Auch Banken beobachten die Pläne aufmerksam. Sie befürchten unter anderem, dass Kunden einen Teil ihrer Einlagen in digitale Euro umwandeln könnten. Dadurch stünde den Instituten möglicherweise weniger Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung. Vorgesehene Obergrenzen für digitale Euro-Guthaben sollen dieses Risiko begrenzen.

Die Bundesbank betrachtet den digitalen Euro dennoch als wichtigen Bestandteil der künftigen europäischen Zahlungslandschaft. Lienenkämper zufolge soll er einen sicheren, allgemein verfügbaren und datenschutzfreundlichen Zugang zu Zentralbankgeld im digitalen Raum schaffen.

Ergänzung statt Ersatz für Bargeld

Der digitale Euro soll weder das Bargeld abschaffen noch private Bezahldienste verdrängen. Er ist vielmehr als zusätzliche Möglichkeit für Verbraucher und Unternehmen vorgesehen. Münzen und Banknoten sollen nach den Plänen der Notenbanken weiterhin verfügbar bleiben.

Eine Zusammenarbeit mit Wero könnte dafür sorgen, dass Nutzer nicht für jedes Angebot eine eigene Anwendung benötigen. Ob es tatsächlich zu einer Integration kommt, ist bislang jedoch offen. Dafür müssten sich Zentralbanken, Banken und Zahlungsdienstleister auf gemeinsame technische und rechtliche Standards verständigen.

Die Debatte zeigt, dass Europas angestrebte Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr nicht allein von der Entwicklung neuer Angebote abhängt. Entscheidend wird auch sein, wie gut diese miteinander funktionieren und ob Verbraucher sowie Händler sie im Alltag akzeptieren.

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Sladjan Lazic

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