Die Open-Source-Office-Suite Euro-Office hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Die erste stabile Version der webbasierten Bürosoftware steht ab sofort zur Verfügung. Das teilten die federführenden Projektpartner Nextcloud und Ionos mit. Ziel des Projekts ist es, Unternehmen, Behörden und Organisationen eine europäische Alternative zu proprietären Office-Lösungen wie Microsoft 365 oder Google Workspace anzubieten.
Mit Euro-Office sollen Nutzer gemeinsam Dokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen direkt im Browser erstellen und bearbeiten können. Dabei setzt das Projekt konsequent auf offene Technologien und digitale Souveränität. Besonders öffentliche Einrichtungen und Unternehmen, die ihre Daten unter eigener Kontrolle behalten möchten, sollen von der neuen Lösung profitieren.
Fokus auf Nutzbarkeit und Sicherheit
Laut Nextcloud-Gründer und Geschäftsführer Frank Karlitschek lag der Schwerpunkt der ersten Entwicklungsphase auf der Bereitstellung einer praxistauglichen Version. Dafür sei der bestehende Code überarbeitet, um Sicherheitsverbesserungen ergänzt und in bestehende Plattformen integriert worden. Desktop- und Mobilanwendungen gehören bislang noch nicht zum Funktionsumfang, stehen jedoch bereits auf der Entwicklungsagenda.
Auch die umfassende Unterstützung offener Standards wie des OpenDocument-Formats (ODF) soll in den kommenden Versionen deutlich ausgebaut werden. Dies gilt als wichtiger Schritt, um die Zusammenarbeit mit anderen Office-Anwendungen zu verbessern und Datenabhängigkeiten zu vermeiden.
Breites Partnernetzwerk unterstützt das Projekt
Euro-Office soll künftig als Office-Komponente in verschiedenen Kollaborations- und Cloud-Lösungen zum Einsatz kommen. Neben Nextcloud und Ionos beteiligen sich unter anderem EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian, Open-Xchange und Office.eu an der Entwicklung. Nach Angaben der Projektpartner wird derzeit ein eigenes Entwicklerteam aufgebaut, erste Stellen konnten bereits besetzt werden.
Integration in Nextcloud und weitere Plattformen geplant
Die erste praktische Integration erfolgt in der neuen Version von Nextcloud Hub 26. Die bislang in Nextcloud genutzte Office-Lösung Collabora soll jedoch weiterhin unterstützt werden. Anwender erhalten somit die Möglichkeit, zwischen Collabora und Euro-Office zu wählen.
Auch weitere Partner arbeiten bereits an der Einbindung der neuen Software. Ionos plant die Integration in sein Workspace-Angebot für den Spätsommer. Das französische Unternehmen XWiki rechnet mit einer Umsetzung im vierten Quartal dieses Jahres. Darüber hinaus will Office.eu in den Niederlanden einen eigenen Dienst auf Basis von Euro-Office anbieten.
Technische Basis: Fork von OnlyOffice
Technisch basiert Euro-Office auf einem Fork der Open-Source-Suite ONLYOFFICE. Die Projektverantwortlichen hatten sich bewusst für diese Grundlage entschieden und dies mit der modernen Architektur und einer zeitgemäßen Codebasis begründet. Im Vergleich zu LibreOffice und dessen Browserlösung Collabora biete OnlyOffice aus ihrer Sicht bessere Voraussetzungen für die Weiterentwicklung einer webbasierten Office-Plattform.
Kurz nach der Ankündigung des Projekts hatte OnlyOffice allerdings Vorwürfe wegen möglicher Lizenzverletzungen erhoben. Nach Angaben von Nextcloud konnten diese Differenzen inzwischen ausgeräumt werden. Die erforderlichen Quellen- und Markenhinweise seien ergänzt worden, sodass der Konflikt als beigelegt gilt.
Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager wächst
Während Euro-Office seine ersten Schritte macht, kündigt sich bereits neue Konkurrenz aus der Open-Source-Welt an. Die Entwickler von LibreOffice haben Ende Mai einen Strategiewechsel vorgestellt. Künftig soll sich LibreOffice stärker auf browserbasierte Anwendungen, mobile Geräte und kollaboratives Arbeiten konzentrieren.
Damit könnte sich in den kommenden Jahren ein spannender Wettbewerb um die Zukunft offener Office-Lösungen entwickeln. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen dürfte dies vor allem eines bedeuten: mehr Auswahl und mehr Unabhängigkeit von den großen US-amerikanischen Softwarekonzernen.
- Support für Windows 10 wird bis 2027 verlängert – 26. Juni 2026
- Was ist SERP? Einfach erklärt – 25. Juni 2026
- Top500-Liste: Chinas neuer Supercomputer durchbricht die 2-Exaflop-Grenze – 24. Juni 2026


![Umsteigen auf Linux [Teil 1]: So will ich auf Linux umsteigen und mir meine digitale Souveränität aufbauen Umsteigen auf Linux [Teil 1]: So will ich auf Linux umsteigen und mir meine digitale Souveränität aufbauen](https://www.webnumerus.de/wp-content/uploads/2026/02/auf_Linux_umsteigen-300x200.jpg)

Schreiben Sie einen Kommentar