Lange galt das Ende von LiMux als Rückschlag für freie Software in der öffentlichen Verwaltung. Heute setzt München erneut auf Open Source, mit einer zentralen Koordinierungsstelle, eigenen Anwendungen und dem geplanten Austausch proprietärer Systeme.
München und Open Source: Diese Verbindung steht für eines der bekanntesten IT-Projekte deutscher Behörden, und für dessen politische Kehrtwende. Mit LiMux stellte die Stadtverwaltung ihre Arbeitsplätze einst auf Linux um, bevor sie die Rückkehr zu Windows beschloss. Doch das Ende des Projekts bedeutete keinen dauerhaften Abschied von quelloffener Software. Inzwischen verfolgt München wieder eine Open-Source-Strategie.
Auf dem Open Source Summit Europe in Prag berichtete Laura Dornheim, Chief Digital Officer und IT-Referentin der Stadt, über laufende Projekte und weitere Ziele. Dabei wurde deutlich: Der neue Kurs reicht von selbst entwickelten Anwendungen bis zur grundlegenden IT-Infrastruktur.
Wer eine eigene Website oder einen Blog erstellen möchte, kommt an WordPress kaum vorbei. Passende Bücher zum weltweit beliebtesten Content-Management-System WordPress findest du bei Amazon*.
Vom Vorzeigeprojekt zur Kehrtwende
Die Geschichte beginnt in den frühen 2000er-Jahren. Das bevorstehende Support-Ende von Windows NT 4.0 zwang München, die Zukunft seiner Verwaltungs-IT zu planen. Die Stadt entschied sich, quelloffene Software zu bevorzugen, und startete das LiMux-Projekt. Debian, die Desktop-Umgebung KDE und LibreOffice bildeten wesentliche Bestandteile der neuen Lösung.
Die Umstellung war technisch und organisatorisch anspruchsvoll. Erst 2013, rund zehn Jahre nach dem Start, meldete das Projekt seinen Abschluss.
Wenig später änderten sich die politischen Mehrheiten und Prioritäten im Rathaus. 2017 fiel der Beschluss, Linux bis 2020 wieder durch Windows zu ersetzen. Der Wechsel von LibreOffice zu Microsoft Office zog sich bis 2023 hin. Auch die Rückkehr zu proprietärer Software erwies sich damit als langwieriges Vorhaben.
Open Source soll zum Normalfall werden
Mit einem erneuten politischen Wechsel erhielt quelloffene Software 2020 wieder größeres Gewicht. Seither lautet die Vorgabe, Open Source bei der Beschaffung als Normalfall zu bevorzugen, „wo immer technisch und finanziell sinnvoll“. Selbst entwickelte Software soll unter Beachtung rechtlicher Vorgaben ebenfalls öffentlich zugänglich gemacht werden.
Dahinter steht der Gedanke „Public Money, Public Code“: Software, deren Entwicklung mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, soll auch anderen zur Verfügung stehen.
Seit 2024 unterstützt ein Open Source Program Office, kurz OSPO, diesen Kurs. Damit hat München eine zentrale Stelle geschaffen, die den Einsatz und die Weiterentwicklung quelloffener Software koordinieren soll. Die Strategie erhält so eine organisatorische Grundlage über einzelne Projekte hinaus.
Eigene Software findet auch außerhalb Münchens Nutzer
Ein Beispiel für die praktische Umsetzung ist DAVe, die „Database and Evaluation of Traffic Counts“. Die seit 2021 eingesetzte Anwendung dient dazu, Verkehrszählungen zu dokumentieren und die Verkehrsentwicklung auszuwerten. Inzwischen nutzt auch Wolfsburg die Software. Der Quellcode ist auf GitHub veröffentlicht.
Das zeigt einen wesentlichen Vorteil kommunaler Open-Source-Entwicklung: Eine Anwendung, die eine Stadt finanziert und entwickelt hat, kann andernorts weiterverwendet werden.
Ein weiteres Projekt ist MUCGPT. Die Anwendung ermöglicht Beschäftigten der Münchner Verwaltung laut Stadt einen datenschutzkonformen Zugang zu KI-Assistenten. Ein „E-Mail-Helfer“ unterstützt beim Formulieren von Nachrichten, der „Aufdeutscher“ bei der sprachlichen Überarbeitung von Texten. Auch der Quellcode von MUCGPT ist auf GitHub verfügbar.
Umbau der Infrastruktur soll Kosten senken
Neben eigenen Anwendungen nimmt München bestehende Systeme in den Blick. In der Virtualisierung soll Proxmox die bisherige VMware-Lösung ersetzen. Der Abschluss ist für 2027 vorgesehen. Die Stadt erwartet dadurch jährliche Einsparungen von rund einer Million Euro.
Auch bei der Zusammenarbeit und Projektorganisation ist ein Wechsel geplant: OpenProject und XWiki sollen Jira und Confluence ablösen. Die Entscheidung dafür fiel 2025. Die geschätzten Einsparungen liegen bei mehr als einer halben Million Euro pro Jahr.
Bei Datenbanken setzt München verstärkt auf PostgreSQL als Alternative zu Oracle. Hier stehen nach Dornheims Darstellung jedoch nicht die Lizenzkosten im Vordergrund. Die derzeitigen finanziellen Konditionen mit Oracle seien durchaus günstig. Ausschlaggebend sei vielmehr das strategische Ziel, quelloffene Software einzusetzen, wenn dies technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Freiraum für die Weiterentwicklung
Mit einem Open-Source-Sabbatical will die Stadt zudem die Arbeit an freien Softwareprojekten fördern. Beschäftigte können sich zeitweise einem konkreten Projekt widmen, um dessen Software spürbar zu verbessern. Auch Externe können sich bewerben und dafür finanzielle Unterstützung erhalten.
Münchens neuer Kurs ist damit mehr als eine Wiederholung von LiMux. Im Mittelpunkt steht heute ein breiterer Ansatz: eigene Software veröffentlichen, Entwicklungen anderer nachnutzen, offene Infrastruktur aufbauen und zur Verbesserung bestehender Projekte beitragen.
Wie tragfähig diese Strategie ist, wird sich an der Umsetzung der angekündigten Wechsel und den tatsächlich erzielten Einsparungen zeigen. Klar ist bereits: Open Source hat in Münchens Verwaltung wieder einen festen Platz auf der politischen und technischen Agenda.
Wer eine eigene Website oder einen Blog erstellen möchte, kommt an WordPress kaum vorbei. Passende Bücher zum weltweit beliebtesten Content-Management-System WordPress findest du bei Amazon*.
- Münchens Open-Source-Comeback: Neue Strategie nach LiMux – 13. Oktober 2026
- Microsoft tauscht Windows-Update-Zertifikate aus: Diese Fristen gelten für Unternehmen – 12. Oktober 2026
- Ecosia wechselt KI-Anbieter: Offene Modelle sollen Mistral ersetzen – 9. Oktober 2026


![Webbrowser für Webentwicklung: Diese Browser nutze ich [2026] Webbrowser für Webentwicklung: Diese Browser nutze ich [2026]](https://www.webnumerus.de/wp-content/uploads/2026/07/Browser_Webentwicklung-300x200.jpg)

![Mein Umstieg auf Linux [Teil 2]: So wähle und teste ich die passende Software 🐧 Mein Umstieg auf Linux [Teil 2]: So wähle und teste ich die passende Software 🐧](https://www.webnumerus.de/wp-content/uploads/2026/08/umstieg_auf_linux_2-300x169.jpg)


Schreiben Sie einen Kommentar